Die Warnstreiks in der Metallbranche haben den Harz erreicht. Am Montag legten Beschäftigte in Wernigerode die Arbeit nieder, heute folgen ihre Kollegen in Ilsenburg.

Wernigerode l Er war kurz, es war kalt und es ging routiniert über die Bühne. Warnstreiks, zumal solche in der Arbeitskampf erfahrenen Metallindustrie, folgen immer derselben Dramaturgie. So ging auch die gestrige, rund einstündige Arbeitsniederlegung von gut 70 Beschäftigten der Wernigeröder KSM Castings GmbH, recht unaufgeregt vonstatten.

Zum Schichtwechsel versammelten sich die Kollegen vor dem Werkstor, begrüßt von Tatjana Stoll, der 1. Bevollmächtigten der IG Metall Halberstadt. Der Bezirk umfasst die Kreise Harz und Börde, nur zehn Unternehmen aus dieser Region sind tarifgebunden. Auch deshalb wurde das Wernigeröder Unternehmen für den Streik ausgewählt.

Verhandelt wird ohnehin nicht im Harz, sondern in Süddeutschland. Die dortigen Tarifabschlüsse werden von den restlichen Verbänden übernommen. Doch soweit ist es noch nicht, informierte Stoll ihre Kollegen. Die Gewerkschaft fordert ein Lohnplus von 5,5 Prozent, die Arbeitgeber bieten bislang 2,2 Prozent. Gänzlich unbefriedigend sei zudem die Arbeitgeber-Antwort auf die Forderungen zur Altersteilzeit und zu überwiegend von den Betrieben zu finanzierenden Weiterbildungen.

Angesichts steigender Anforderungen forderte Stoll vor allem für diesen Bereich vernünftige Regelungen. "Die Leute müssen früher anfangen, sich weiterzubilden." Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schneevoigt steht die Belegschaft hinter den Gewerkschafts-Forderungen. "Die Kollegen sind streikbereit."

Seitens der KSM Castings GmbH gab es gestern keine Stellungnahme zum Warnstreik. Die Aktionen gehen heute in Ilsenburg weiter, bestreikt werden Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH und ThyssenKrupp Presta Schönebeck. Dass es vor der nächsten Tarifrunde Mitte Februar zu weiteren Warnstreiks in Betrieben der Region kommt, wollte Tatjana Stoll nicht ausschließen. Details nannte sie jedoch nicht.