Die Johanniskirchengemeinde beauftragt den Glaskünstler Günter Grohs mit der Gestaltung der neuen Kirchenfenster. Der Wernigeröder hat viel Erfahrung mit Sakralbauten gesammelt und setzt auf traditionelle Handwerkstechniken.

Wernigerode l Das Chorfenster hinter dem Altar der Johanniskirche ist mit Holzbrettern verschlossen. Das kunstvolle Maßwerk ist saniert, berichtet Pfarrerin Heide Liebold. Was jedoch fehlt, ist die Verglasung. Die wird Günter Grohs übernehmen. Der Wernigeröder Künstler wird im Auftrag der Johanniskirchengemeinde die neuen Fenster für das Gotteshaus gestalten.

Nach eingehenden Beratungen hat sich der Gemeindekirchenrat für den Entwurf des 57-Jährigen entschieden - er war einer von drei Beiträgen zu einem Wettbewerb, den die Gemeinde zuvor ausgelobt hatte (Volksstimme berichtete). Überzeugt hat Günter Grohs mit seiner Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkstechniken. "In so einem historischen Gebäude kann man nur klassisch arbeiten", sagt der Glaskünstler. Geplant ist eine traditionelle Bleiverglasung, wie es sie schon seit Jahrhunderten gibt. Das hat den Vorteil, dass ihre Langlebigkeit belegt ist, betont Heide Liebold. "Wir wollen hier etwas schaffen, was uns weit überlebt." Zu den Eigenschaften und der Dauerhaftigkeit von modernen Klebefolien, wie sie in den beiden anderen Entwürfen verwendet werden, liegen hingegen noch keine Erfahrungswerte vor.

Dem Entwurf folgen nun Taten. In den kommenden Tagen wird am mittleren Chorfenster Maß genommen - es ist das erste, das eine neue Verglasung erhält. Dann stellt Günter Grohs Probefelder her - mindestens drei Glasscheiben, die im oberen Teil des Fensters in das Maßwerk eingepasst werden. Herstellen wird sie der Wernigeröder mit einem selbst entwickelten Verfahren, das dem Glas eine spezielle, re-liefartige Oberfläche verleiht. "Aus der Nahsicht sieht das Muster vielleicht etwas rauh und ruppig aus, doch es muss auch aus einer Entfernung von 30 Metern wirken. Dann treten die grafischen Effekte in den Hintergrund, und es erzeugt einen ganz anderen Eindruck", erklärt der 57-Jährige.

Wenn Farben oder Helligkeit der Probefelder noch nicht passen, können diese durch das Auflegen zusätzlicher Scheiben korrigiert werden. Erst wenn alles stimmt, wird das Fenster endgültig fertiggestellt. Bis es soweit ist, werden noch einige Monate ins Land gehen. "Wenn zu Weihnachten das erste Fenster fertig ist, wäre das ein schönes Geschenk", sagt Pfarrerin Heide Liebold.

Kompliziert wird die Gestaltung, weil die Fenster Einfluss darauf haben, wie das Innere der Kirche wirkt. "Die Lichtsituation ist sehr komplex", weiß Günter Grohs. Der Chorraum mit dem 500Jahre alten Schnitzaltar erfordert besondere Aufmerksamkeit. Abgesehen davon, dass der historische Altar vor Sonnenstrahlen geschützt werden muss, stellen die drei Chorfenster eine Art Rahmen für das wertvolle Inventar dar. Diese sollen nicht zu hell werden, so Grohs. Weil das mittlere Fenster derzeit geschlossen ist, komme der Altar besser zur Geltung - das empfänden viele Gemeindemitglieder und Besucher so. Durch die Seitenfenster müsse hingegen Licht in den eher düsteren Kirchenraum fallen. "Diese werden deshalb wesentlich heller werden", so Grohs.

Wie die insgesamt sieben Kirchenfenster bezahlt werden, steht noch in den Sternen. Rund 14000 Euro kostet die Verglasung eines Fensters - für das erste ist die Finanzierung gesichert, sagt Heide Liebold. "Wir suchen Sponsoren, die sich dafür begeistern, etwas Bleibendes zu schaffen." Wenn das erste Fenster fertig ist, könnte dies Spender motivieren. "Das ist ein Zugpferd", so Grohs.

Wer mehr erfahren möchte, kann am Montag, 23. März, am Gemeindeabend teilnehmen. Günter Grohs wird dort seine Entwürfe für die Kirchenfenster sowie seine bisherige Arbeit vorstellen und Fragen beantworten. Beginn ist um 19.30Uhr im Martin-Luther-Saal.

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