Die Skulpturen und Reliefs von Karl-Heinz Ziomek zeigen häufig biblische Motive und Figuren. Da passt es, dass sie nun in einer Ausstellung in der Johanniskirche zu sehen sind - pünktlich zum 85.Geburtstag des Wernigeröder Holzbildhauers.

Wernigerode l 2010 sollte eigentlich alles zu Ende gehen. Mit einer großen Werkschau zum 80. Geburtstag wollte sich Karl-Heinz Ziomek aus dem aktiven Künstlerleben zurückziehen. Keine Ausstellungen mehr, Arbeit in der Werkstatt nur noch, wenn ihm der Sinn danach steht. "Man kann aber schlecht aufhören, sagt der Wernigeröder Holzbildhauer, der heute seinen 85.Geburtstag feiert.

Deshalb gibt es nach der letzten nun noch eine allerletzte Ausstellung. Ab Sonntag, 19.April, werden 25 Holzskulpturen und Reliefs in der Johanniskirche gezeigt - neben den Werken, die ohnehin schon ihren Platz in dem Gotteshaus gefunden haben. Bekannt sind etwa die Figuren der Weihnachtskrippe. Zuletzt ist ein Osterkerzenleuchter hinzugekommen, den Ziomek eigens angefertigt hat. Auch im Stadtbild und im Rathaus hat er bleibende, künstlerische Spuren hinterlassen.

Grund genug für Pfarrerin Heide Liebold und die Johannisgemeinde, den gebürtigen Oberschlesier, der 70 Jahre seines Lebens in Wernigerode verbracht hat, mit einer Ausstellung zu würdigen. "Seine Werke sind von einer großen Tiefe", sagt Heide Liebold über den Kulturpreisträgers des Jahres 2000. Er öffne dem Betrachter neue Horizonte und lade zum Nachdenken über die eigene Existenz ein.

Dass Ziomek selbst tiefgründig denkt, wird deutlich, wenn er sich erklärt. Viele seiner Arbeiten haben Bezüge zur Bibel - und diese wiederum kennt Ziomek genau. Er beruft sich auf den Text, nicht auf das, was die Kirchen daraus gemacht haben. Und er weiß, woher die Inspiration für die Geschichten des Buch des Bücher stammten - etwa aus dem alten Ägypten oder dem antiken Rom. "Wenn man auf den Ursprung zurückgeht, findet man alles wieder."

Gestalten wie Moses, Franziskus und die Krippenfiguren versetzt der Künstler gerne in die Gegenwart - als Menschen, die heutig anmuten, mit ihren Botschaften aber universell und zeitlos erscheinen. "Die Figuren transportieren urchristliches Gedankengut, beziehen sich aber nicht auf eine bestimmte religiöse Richtung", sagt Karl-Heinz Ziomek. Manche zeigt er von einer ungewöhnlichen Seite - wie Noah, der an einem Fenster der Arche sitzt und auf die Sintflut wartet. Der Bezug zur späten DDR drängt sich dem Lehrer auf, der zur Zeit des Prager Frühlings aus dem Schuldienst geworfen wurde. "Die Arche-Situation bedeutet, eine desolate Situation abzuwarten."

Das Interesse für die Bibel teilt Ziomek mit seinem großen Vorbild Ernst Barlach. Dass der berühmte Bildhauer ihn geprägt, ihn überhaupt erst dazu gebracht hat, künstlerisch mit Holz zu arbeiten, leugnet der studierte Maschinenbauingenieur nicht. "Warum soll man sich nicht an einen großen Menschen anlehnen?", fragt der "Lehrer aus Überzeugung". Mit Barlach werden die Besucher der Ausstellung zu Beginn konfrontiert - durch ein Relief mit einem Zitat des Meisters, "um gleich die Verbindung herzustellen", so Ziomek.

Eröffnet wird die Schau am Sonntag nach dem Gottesdienst (Beginn: 10 Uhr). Zu sehen ist sie ab 21. April, dienstags bis sonnabends von 15 bis 17 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst, ab 1. Mai zusätzlich werktags, außer Montag, von 10 bis 12 Uhr.