Die Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) besteht seit zehn Jahren. Am 1. Januar 2005 war die Behörde im Altkreis Wernigerode an den Start gegangen. 2011 wurde das Optionsmodell um die Argen in Halberstadt und Quedlinburg erweitert. Am Montag gab es eine Bilanz nebst Ausblick.

Wernigerode l "Das Optionsmodell ist das richtige", sagt Martin Skiebe. Allerdings nicht allein, sondern in Verbindung mit dem seinerzeit für die Umsetzung geschaffenen Struktur. Der Eigenbetrieb als besondere Rechtsform.

Der Landrat (CDU) ist an diesem Montagvormittag in den erst vor wenigen Tagen bezogenen KoBa-Sitz in die Rudolf-Breitscheid-Straße 10 gereist. Im einstigen Wernigeröder Landratsamt gilt es, ein Jubiläum zu würdigen. Vor (etwas mehr als) zehn Jahren, am 1. Januar 2005, hatte die Behörde ihre Türen geöffnet. Ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, im Gebäude Kurtsstraße.

Mit am Tisch sitzen jene, die das Projekt aus der Taufe gehoben haben beziehungsweise es heute führen. Da ist neben KoBa-Betriebsleiterin Claudia Langer ihr Vorgänger Dirk Michelmann. Mit in der Runde sitzen Monika Wilke, Anita Hauswald, Sandra Wehr und Hans-Joachim Jonas - die vier Fachbereichsleiter der Behörde.

Sie alle haben viel zu berichten. Von damals im Grunde mehr als über das Heute. Dirk Michelmann ist sogar davon überzeugt, ein Buch damit füllen zu können. Er sagt: "Das war ein verrückter Start." Nur ein Vierteljahr blieb damals, um die KoBa aufzubauen.

Drei schöne Momente nennt der Wernigeröder. Und zwei Irrtümer. Sternstunden waren die Vermittlung der ersten Kunden, schon wenige Tage nach Arbeitsbeginn. Dann später die Zustimmung der Kreistage, das Optionsmodell auf den gesamten Verantwortungsbereich auszuweiten. Schließlich, so Michelmann: "Der Augenblick, als ich 80 Verträge entfristen konnte." Bis dahin hatten die Kollegen immer nur eine Sicherheit auf Zeit, schien die Lebensdauer des Eigenbetriebes bis 2010 begrenzt.

Falsch war hingegen die in einem Konzept verankerte Annahme, mit 50 Mitarbeitern könnten alle anstehenden Aufgaben bewältigt werden. Es wurden 110 Beschäftigte. Ebenfalls zu blauäugig war "der Glaube, das man mit einem neuen Gesetz auch die Möglichkeit für eine neue Herangehensweise erhält". Die bereits existierenden Strukturen hätten dies verhindert. Dirk Michelmann: "Wir mussten dem Diktat der öffentlichen Wahrnehmung folgen."

Zum 1. Januar 2011 trat die nächste Reform in Kraft. 250 Mitarbeiter der bisher für die Altkreise Halberstadt und Quedlinburg zuständigen Argen wechselten zur KoBa. Sie wuchs dadurch auf 400 Beschäftigte. Ab diesem Stichtag kümmerte sich die Behörde um zwei Drittel aller Arbeitslosen im Harzkreis. Das waren etwa 10 000. Zudem galt es, für fast 30 000 Menschen in circa 15 700 Familien den Lebensunterhalt mit der Grundsicherung zu garantieren.

Gut zehn Jahre später verweisen die Verantwortlichen auf die Erfolge. Zu ihnen zählen unter anderem 73 Prozent weniger Jugendliche ohne Job, eine beinahe halbierte Arbeitslosenquote und knapp ein Drittel weniger Bedarfsgemeinschaften. Seit dem Höchststand im Mai 2006 konnten ungefähr 8000 Familien den Hartz IV-Bezug hinter sich lassen.

Das ist aber kein Grund, sich auszuruhen, betont Claudia Langer. Sie hat zum 1. Juli 2014 den Staffelstab von Dirk Michelmann übernommen. Die Problemlagen der Kunden sind heute viel komplexer. Das Senken des Anteils der Langzeitarbeitslosen von aktuell 40,6 Prozent unter allen Betroffenen bleibt ein Hauptanliegen.

Die Juristin verschweigt nicht, dass mit dem Rückgang der Hilfebedürftigkeit und der Quote der finanzielle Spielraum geringer geworden ist. Aktuell stehen 15,5 Millionen Euro für die aktive Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung. Knapp halb soviel vom Bund pro Bedürftigem wie noch 2010. Auch beim Personal muss die KoBa sparen. 30 Stellen wurden in den vergangenen Jahren abgebaut. Die momentane Gesetzgebung gehört zudem dringend vereinfacht. Sie ist, sagt Claudia Langer, inzwischen "sehr wissenschaftlich".