Eine faszinierende Pflanzen- und Tierwelt, traumhafte Badestrände - so erleben Touristen Kenia. Doch es gibt Schattenseiten, vor allem das Elend der Straßenkinder. Klaus Richter, bis 2006 als Leitender Chefarzt im Elbingeröder Diakonie-Mutterhaus tätig, hilft seit vielen Jahren ehrenamtlich.

Elbingerode/Ilsenburg l Der Mediziner verbrachte 1991 seinen Urlaub in dem afrikanischen Land. Dort berührte ihn die bittere Not der Straßenkinder. Mittlerweile flog er über 50 Mal nach Kenia, um dort zu helfen.

"Manchmal kamen mir die Tränen", sagt Klaus Richter. Vor allem erinnert er sich an einen Straßenjungen, der sagte, dass er dankbar sei. Als er wissen wollte, warum, so der Elbingeröder, bekam er zur Antwort: "Ich habe mich noch nicht vergiftet, obwohl ich mich von Abfall ernähre."

Der 72-Jährige betont: "Es wird Hilfe zu Selbsthilfe geboten. Die Kenianer sollen ihre Möglichkeiten und Reccourcen nutzen." Mittlerweile umfasst das "Kenia-Projekt" auch Uganda, ebenso soll Äthiopien in Angriff genommen werden. In über zehn Orten arbeiten mehr als 100 ehrenamtliche Unterstützer. Sogar Kinderheime sind entstanden.

Laut Richter versickern die Spendengelder nicht, da keine Behörden einbezogen seien. Die finanziellen Zuwendungen kämen auf direktem Wege bei den Kindern an. Der Arzt: "Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es dort rund 600 000 Straßenkinder und über 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze."

Ein Hauptanliegen des "Kenia-Projekts" ist die Suchtaufklärung. Dabei handelt es sich um eine Kooperation des Diakonie-Krankenhauses Elbingerode mit dem Mutterhaus. Als Droge wird in Kenia auch Klebstoff zum Riechen in leere Plastikflaschen zum Inhalieren verwendet. Ist die Abhängigkeit bekämpft, können neue Lebensperspektiven geschaffen werden.

Ehrenamtliche Mitarbeiter veranstalten am Sonnabend, 20. Juni, in Ilsenburg einen Benefiz-Flohmarkt. Er findet von 10 bis 18 Uhr in der Fürst-Stolberg-Hütte, Schmiedestraße 16, statt. Angeboten werden beispielsweise Textilien, Spielzeug, Hausrat und Elektroartikel. Mitinitiator Roland Krombholz holt die Sachspenden für den Flohmarkt ab. Wer dafür mit ihm Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter Telefon 01 60/ 99 86 69 98.

An einem Stand informiert Klaus Richter über die Projektarbeit. Dabei zeigt er auch Fotos vom Leben der Straßenkinder. So ist unter anderem zu sehen, wie sie sich einen Schlafplatz suchen oder den Müll nach verwertbaren Sachen durchwühlen. Für den musikalischen Rahmen sorgt Thomas "Rups" Unger mit Country-Gospel. Der Künstler war früher Mitglied bei den Randfichten, einer Band aus dem Erzgebirge. Mit Speisen und Getränken können sich die großen und kleinen Besucher an einem Imbissstand stärken.

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