Das Thema Hexen lässt die Wernigeröder auch vier Wochen nach Walpurgis nicht los. Hartmut Hegeler stellt im Zentrum HarzKultur seine Forschungsergebnisse zu Hexenprozessen vor, die zwischen 1521 und 1665 Dutzenden Frauen und Männern das Leben kosteten. Der Pfarrer im Ruhestand fordert die Rehabilitation dieser Justizopfer.

Wernigerode. Die Nachforschungen zu den Hexenprozessen in Wernigerode hielten für Pfarrer i.R. Hartmut Hegeler einige Überraschungen bereit: Zu seinem Erstaunen hatten sich die Prozesse nicht nur gegen Frauen gerichtet: "Ein Drittel der Angeklagten waren Männer." Zudem fand Hegeler heraus, dass die als Hexen denunzierten Frauen nicht wie oft angenommen Hebammen waren oder sogenannte Kräuterweiber. "Die meisten stammten aus der Unterschicht. Sie waren sehr arm", so der Hobbyforscher. Oft wurden ältere Witwen beschuldigt, eine "Buhlschaft" mit dem Teufel eingegangen und auf Besen zum Hexensabbat geflogen zu sein oder einen Schadenszauber über die Menschen gebracht zu haben. Es traf aber auch Zugezogene oder Angehörige von Verurteilten.

Purer Aberglaube und der Machterhalt von Kirche und Adel ließ zwischen 1521 und 1665 auch in Wernigerode die Scheiterhaufen brennen. "Die Urteile fällten jedoch nicht die kirchlichen Inquisitoren, sondern weltliche Gerichte", fand Hegeler heraus. Deshalb setzt auch er sich für die Rehabilitation der damaligen Opfer ein, die unsägliche Qualen erleiden mussten. "Es sind allesamt Justizopfer. Deshalb sollte sich der Stadtrat offen dazu bekennen: ,Unsere Vorfahren haben das damals falsch gemacht. Wir sollten die Opfer der Hexenprozesse rehabilitieren‘", meint Hegeler.

Seriös aufarbeiten

Er nennt zum Beispiel eine Emerentia Kretzschmar aus Ilsenburg, der es 1611 gelang, die Folter zu überstehen und ihr Schicksal aufschreiben zu lassen. "Sie hat nichts gestanden und auch niemanden denunziert. Sie ist ein Vorbild für Zivilcourage. Nach ihr müsste eigentlich eine Straße benannt werden."

Dass dies oder sogar das Aufstellen eines Denkmals wohl noch eine Weile dauern wird, daran ließ am Rande der Ausstellungseröffnung Kulturdezernent Andreas Heinrich wenig Zweifel. Ihm war negativ aufgefallen, dass sich dieses ernste Thema "in den Klamauk um Walpurgis" mische, wie er sagte. Der städtische Kulturausschuss habe sich dafür ausgesprochen, über den Anfang April von den "Düsselhexen" vorgebrachten Antrag nachzudenken, jedoch das Thema historisch korrekt und seriös aufarbeiten zu lassen – aber nicht in der Zeit um Walpurgis. Die erste Meinungsbildung dazu fiel wohl daher auch im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Ausschusssitzung.

Die Ausstellung "Hexenprozesse Wernigerode" ist dagegen ganz öffentlich und bei freiem Eintritt noch bis 27. Juni im Zentrum HarzKultur, Breite Straße 95, zu sehen.Übrigens

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