Sandra Lumme-Gödecke arbeitet als Heilpädagogin in der Tagesförderung im " Haus zum guten Hirten " in Wernigerode. Dort betreut sie acht geistig behinderte Frauen und Männern von Montag bis Freitag. Die Harzer Volksstimme war einen Tag lang dabei.

Wernigerode. Berührungsängste hatte sie nie. Sandra Lumme-Gödecke war sich schon als junges Mädchen sicher, dass sie einmal Frauen und Männer mit Handicap betreuen möchte. " Ich mag die Menschen mit all ihren Facetten ", sagt sie.

In den Wernigeröder Diakonie-Häusern " Zum guten Hirten " und " Nathusius " wohnen 80 Personen mit einer geistigen Behinderung. Sandra Lumme-Gödecke ist in der Tagesförderung des " Guten Hirten " in Hasserode tätig.

Dort betreut sie eine Gruppe von acht Leuten in der Filzwerkstatt. Jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, bevor die Frauen und Männer mit ihren verschiedenen Tätigkeiten beginnen. " Die Bewohner wählen selbst, was sie tun möchten ", sagt die Heilpädagogin. Denn neben der Filz- gibt es auch eine Ton- und eine Holzwerkstatt.

Die 50-jährige Anette Arnold weiß, warum sie sich für die Handarbeitsgruppe entschieden hat : " Hier ist es ruhig genug, um Radio zu hören. Ich liebe Radio. " Sie sitzt an diesem Morgen auf einem Stuhl, trägt ein orangefarbenes T-Shirt und Jeans. Dabei geht sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach - Wollfäden knüpfen. Sie ist etwas schwierig zu verstehen. Keine Probleme dabei haben jedoch Sandra Lumme-Gödecke und Praktikantin Nadja Keune.

Hauptsächlich wird in der kleinen Gruppe gefilzt. Die 58-jährige Jutta Steiniger, die an einem anderen Tisch sitzt, befeuchtet eine Fläche verschiedenfarbiger Wollschichten, woraus später ein Bild entsteht. Die Filzarbeiten werden auf den Basaren verkauft, die Mitarbeiter regelmäßig organisieren. Während Jutta Steiniger ihrer Aufgabe nachgeht, lächelt sie unentwegt.

Der Umgang der Bewohner untereinander ist liebevoll und entspannt. Es wird viel gelacht und miteinander gesprochen. " Anette ist meine Freundin, " sagt Jutta Steiniger und drückt ihre Gefühle mit einer Umarmung aus. Sandra Lumme-Gödecke muss schmunzeln, als sie die Szene beobachtet. " Im Endeffekt sind die Bedürfnisse der Menschen nach Nähe, Liebe und Anerkennung doch bei jedem gleich ", sagt sie.

Im " Guten Hirten " achte man auf eine ruhige und freundliche Atmosphäre, da die Stimmung der Bewohner stark von äußeren Einflüssen abhängig sei. Aufregung und Unruhe bedeute Stress für einige der Frauen und Männer. Ab und zu müsse ein Konflikt geschlichtet werden - wie im normalen Leben auch, so Sandra Lumme-Gödicke. Die Mutter von drei Kindern arbeitete bereits bis 2000 sechs Jahre lang in der Einrichtung. Dann beschloss sie, ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin zu erweitern und in Erfurt an der Fachschule Heilpädagogik zu studieren. Danach probierte sie sich anderweitig aus, half jedoch weiter bei der Organisation der jährlich stattfindenden Feste im " Haus zum guten Hirten. " " So riss der Kontakt zu den Bewohnern nie ab ", erinnert sich die 33-Jährige.

Das freundliche Miteinander habe sehr viel dazu beigetragen, die Arbeit vor einem dreiviertel Jahr wieder aufzunehmen. Die Wernigeröderin : " Mit dieser Entscheidung bin ich sehr glücklich. "