Zum 13. vasten-colleg haben Oberbürgermeister Peter Gaffert und Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht am Dienstagabend 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kirchen und von Vereinen im Festsaal des Wernigeröder Rathauses begrüßt. Darunter Ehrengäste wie den Klimaexperten Prof. Dr. Gerhard Berz und den Architekten Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Eisentraut.

Wernigerode. Zwei Professoren, traditionell zwei Reden, die jedoch gegensätzlicher nicht hätten sein können, und erneut ein festliches Menü. Das 13. vasten-colleg, ein Festmahl, mit dem seit 1997 bekanntlich der Schenkung des Wernigerödes Rathauses durch Graf Heinrich im Jahre 1427 gedacht wird, bot erneut einen abwechslungsreichen Abend.

Gastgeber Peter Gaffert hatte dem Dienstag den thematischen Schwerpunkt Umweltschutz und Klimawandel gegeben – sichtbar auch in der Auswahl des Festredners. Prof. Dr. Gerhard Berz, ein renommierter Wetter-, Klima- und Naturkatastrophenforscher. Der Münchner sprach im verständlichen " Südstaaten-Dialekt " : über den Klimawandel und Wetterkatastrophen. Und wie es sich für einen Wissenschaftler geziemt, sich dabei an Fakten haltend und auf Emotionen weitgehend verzichtend. Ein Beispiel : Das nächste Erdbeben in Japans Millionenmetropole Tokio werde Schäden von zwei bis drei Billionen Euro verursachen. " Eine Katastrophe schlimmer als das World Trade Center, und die Weltwirtschaft ist darauf finanziell überhaupt nicht vorbereitet ", so Berz. Seine Botschaft : Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten, günstigstenfalls zu verzögern. Heute erzeugtes Klimagas CO sei noch in 1000 Jahren zu 20 Prozent in der Atmosphäre.

Eine Folge ist, 6 von 7 Naturkatastrophen haben inzwischen den Klimawandel zur Ursache, sind kein Erdbeben oder Meteoriteneinschlag. Es sind solche Thesen, die ihm in Medien den Titel " Master of Disaster " beschert haben. Doch der Wissenschaftler ist durchaus zum Scherzen fähig. Berz berichtete von dem bayerischen " Philosophen " Karl Vallentin, der aus Furcht vor einem möglichen Meteoriteneinschlag in ein Bergwerk ziehen wollte und dies so begründete : " Sicherheit geht vor Seltenheit. "

Der Berliner Wolf-Rüdiger Eisentraut, inzwischen wegen seines Schierke-Engagements, ein Stammgast im Harz, plauderte mehr, als er festredete. Fasten bedeute für ihn, standhaft zu sein, den Verlockungen zu widerstehen. Auch, wenn das Fasten inzwischen Mode sei, er habe nicht " enthaltsam " gelebt. Obwohl mit Blick auf das Thema des Abends regte der Architektur-Professor ein Energiefasten für den Klimaschutz an. Um launig hinzuzufügen, der Twitter- und Facebook-Generation stünde ein Internet-Fasten gut zu Gesicht, " obwohl so viele von jenen, sind heute hier bestimmt nicht im Saal ".

Mit zustimmendem Beifall und nachdenklicher Zustimmung zugleich verfolgten die Gäste die Schilderung seines Wernigerode-Rundgangs : Den Plattenbauten stünde das attraktive Rot, Gelb, Grün und Blau der Fachwerkbauten in der Altstadt gut zu Gesicht. Der Neue Markt ist verparkplatzt, also verpatzt.

Schlimmer noch der Wochenmarkt vorm Rathaus : Jener genial angelegte und in Architektur-Lehrbüchern enthaltene Marktplatz sei dann wahrlich nicht mehr fotogen, doch genau das wollen Touristen sehen. Besser sei, Pferderennen zu veranstalten, so wie in Siena …