Wernigerode. Nahezu zeitgleich haben die Wernigeröder CDU und SPD die politischen Weichen für die Landtagswahlen im März 2011 gestellt.

Während in einer öffentlichen Delegiertenversammlung Angela Gorr erneut das deutliche Vertrauen ihrer Christdemokraten erhalten hat ( siehe gestrige Ausgabe ), haben die Sozialdemokraten in geschlossener Runde über einen Vorschlag des Wernigeröder Ortsvereins debattiert.

Wie dessen Pressesprecher Ralf Mattern mitteilte, soll Siegfried Siegel um das Landtagsmandat kämpfen. Die Mitglieder hätten " mit überwältigender Mehrheit " beschlossen, dessen Kandidatur zu unterstützen. WievieleSPDMitglieder sich für den 58-jährigen Wernigeröder konkret ausgesprochen haben, dazu wollte Mattern auf Nachfrage keinerlei Auskunft geben.

Aus seiner Pressemitteilung geht auch nicht hervor, dass sich Siegel eines innerparteilichen Konkurrenten zu erwehren hatte : Avery Kolle hatte ebenso Ambitionen gehegt, in den Landtagswahlkampf eingreifen zu wollen. Gestern hieß es dazu lediglich, Kolle habe ebenfalls im Kreise seiner Wernigeröder Genossen Zustimmung erfahren. Dass diese jedoch nicht für ein Votum im Sinne des Ortsvereins genügt habe, sei laut Mattern, nichts Endgültiges. Bis zur offiziellen Nominierungsveranstaltung im Herbst könnten weitere SPDInteressenten an dem Landtags-Wahlkreis Wernigerode / Oberharz – auch aus dem Wernigeröder Verein, auch Avery Kolle – ihren Hut in den Ring werfen.

Mattern wies darauf hin, dass der geeignetste Herausforderer im Wahlkampf gegen die Mandatsträgerin Angela Gorr, mit den SPD-Mitgliedern aus den Oberharzer Ortsvereinen noch abgestimmt werden müsse. Sowohl Siegel als auch Kolle seien im Oberharz mehrheitsfähig, gab sich der Vize-Chef des Wernigeröder Ortsvereins zuversichtlich.

Dass Siegfried Siegel im 94 er Bundestags-Wahlkampf mit Monika Brudlewsky bereits einmal einer CDU-Mandatsträgerin unterlegen war, wollte Mattern nicht überbewerten. Landes- und Bundespolitik wären unterschiedliche Felder, zudem sei der Bewerber stets auch von der politischen Großwetterlage abhängig, da es im Land eine große Zahl von sogenannten Wechselwählern gebe.

Über Siegfried Siegel heißt es in der Pressemitteilung, er sei einer der profiliertesten Vertreter der Wernigeröder Sozialdemokraten. Er habe 1990 den Ortsverein mitgegründet und gehöre seit dieser Zeit ununterbrochen Wernigerodes Stadtrat an. Wie Mattern zudem aufzählt, engagiere sich der Kandidat außerdem seit langem in Gremien der evangelischen Kirche und in der Wernigeröder DRK-Bergwacht.

In der übermittelten Biographie heißt es zudem, dass er von Beruf Chemiefacharbeiter sei. Allerdings wird nicht informiert, dass Siegel, obwohl er lange Jahre bei Galvano als Betriebsratsvorsitzender tätig war, mit der MWG-Insolvenz seine Arbeit verloren hat.