Ginge es nach dem Willen der Projektverantwortlichen, könnte innerhalb des nächsten Jahres Ilsenburg um eine touristische Attraktion reicher sein. Seit anderthalb Jahren sind bereits Langzeitarbeitslose damit beschäftigt, im Wohngebiet Pulvermühle ein Weidenlabyrinth aufzubauen. Allerdings gibt es unterdessen die handfeste Befürchtung, die Kommunale Beschäftigungsagentur ( KoBa ) des Harzkreises könnte den Geldhahn demnächst zudrehen. Damit stünde eines der interessantesten Tourismusprojekte praktisch in der Endphase der Fertigstellung zur Disposition.

Ilsenburg. Genau genommen ist schon der Begriff " Labyrinth " irreführend, denn in einem solchen gibt es bekanntlich nur einen Weg zum Ziel. " Irrgarten " ist da schon treffender.

Theoretisch könnte man auf der etwas hügeligen Fläche in nur 380 Metern am Ziel sein. Doch dieses Kunststück dürfte nur im höchst seltenen Ausnahmefall und bei notorischen " Wiederholungstätern " gelingen. Sehr viel wahrscheinlicher ist hingegen, dass man sich auf die volle Distanz von knapp 1, 5 Kilometern einstellen muss, bevor man das massive Holzgerüst mit seiner Aussichtsplattform erreicht. Letztere existiert noch gar nicht. Dafür sind schon unzählige Weiden aufwändig gepflanzt und rustikale Sitzgelegenheiten aufgestellt. Und genau die könnten sich nach der Eröffnung als besonders nützlich erweisen. Immerhin gibt es ja keinerlei Garantie, dass man im Höchstfall nur 1, 5 Kilometer durchs Gelände umherirrt, wenn die schnell wachsenden Weiden mal größer sind und der jetzt noch vorhandene Überblick in Kürze komplett verloren gegangen ist. Und ob die ebenfalls geplanten Weiden iglus gleich als provisorische Übernachtungen taugen, ist auch fraglich.

Die für den Harz zuständige Bereichsleiterin der BVIK GmbH und gleichzeitige Projektverantwortliche Petra Gebhardt meint auf Nachfrage : " Die Idee für dieses Weidenlabyrinth kam mir unter der Dusche ". Im Gegensatz zur naturgemäß begrenzten Halbwertzeit von ebenfalls sehr beliebten Irrgärten in Maisfeldern, ist dieses Projekt eins, welches auf Nachhaltigkeit setzt. Die Zielgruppe reicht von Schulklassen, die das Labyrinth zum Beispiel im Sportunterricht nutzen könnten, bis hin zu Rentnern - und Touristen sowieso.

Schon bis jetzt wurden 17 000 Setzstangen in die Erde gebracht. Das Ganze reproduziert sich bekanntlich durch die Rutenbildung selbst. Jeweils zehn Langzeitarbeitslose verrichten für sechs Monate die körperlich schwere Arbeit : das Ausmaß der Schachtarbeiten ist gewaltig. Die Stadt Ilsenburg steht hinter dem Projekt, allerdings ohne auf dem Areal der einstigen Kläranlage finanziell involviert zu sein. Anders bei der KoBa. Sie ist seit 2007 bis jetzt mit 68 712 Euro maßgeblich beteiligt. Petra Gebhardt : " Wir befürchten, dass man sich jetzt aus dem Projekt verabschiedet. " Dazu der Eigenbetriebsleiter Dirk Michelmann : " Wir sind für die Verbesserung der Eingliederungssituation von Langzeitarbeitslosen zuständig und nicht primär für die Finanzierung von touristischen Projekten. Ob und in welcher Höhe sich die KoBa ein viertes Jahr beteiligt, wird von der bisherigen Umsetzung im Vergleich zum Antrag und vor allem von den Fördermöglichkeiten 2010 abhängig sein. " Bisher würden klare Informationen des Arbeits- und Sozialministeriums fehlen. Verantwortung für die touristische Infrastruktur sei ein schöner Nebeneffekt, aber nicht die ureigenste Aufgabe der KoBa, so Michelmann per E-Mail an die Volksstimme-Redaktion.

Ein Irrweg für den Irrgarten " Am grünen Band ", der sich nur einen Steinwurf weit weg vom Radwanderweg an der Ilse entfernt befindet ? ... einfach schwer zu glauben. In diesen Tagen wird eine Informationsseite zum " Weidenlabyrinth " mit weiteren Hinweisen ins Internet gestellt.