Halberstadt. Maschinen rattern pausenlos. Betonmischer rotieren. Die Bauarbeiter geben ihr Bestes. Dennoch ist der geplante Termin für die Fertigstellung des Halberstädter Hauptbahnhofsgebäudes, der 7. April 2010, nicht zu halten.

" Im Verlauf der komplizierten und aufwändigen Arbeiten an diesem Denkmalschutzobjekt sind weit größere bautechnische Probleme aufgetreten, als wir zunächst erwartet haben ", sagt Dietz Kagelmann, Geschäftsführer der Städtischen Holding Nosa GmbH. Ursprünglich sollten die Rohbauarbeiten Ende August beendet sein. " Wir sind sechs Wochen in Verzug ", informiert der Nosa-Chef im Volksstimme-Gespräch über den aktuellen Stand. Das Empfangsgebäude des Hauptbahnhofes könne so erst – voraussichtlich – gegen Mitte des kommenden Jahres der Öffentlichkeit und den Reisenden übergeben werden.

Kagelmann zu den Problemen : " Ziel war und ist es, die historisch wertvolle Fassade zu erhalten und in ihrer alten Pracht zu rekonstruieren. Sie ist bei dem Umfang der Entkernungsarbeiten im Inneren des Gebäudes und dem Neuaufbau mit einer modernen funktionalen Struktur weit mehr gefährdet, als wir dachten. " Es falle so umfangreiche, teils sensible Handarbeit an, wo eigentlich Maschinen zum Einsatz kommen. Doch auch zusätzliche Arbeitskräfte brächten keine Lösung. " Die sogenannte, Chinesenmethode ‘ funktioniert hier nicht ", erklärt Kagelmann. Er meint damit das Prinzip : Ein Maurer schafft pro Stunde einen Stein, tausend Maurer schaffen tausend Steine. " Es können bei der Einsturzgefahr der Fassadenwände nicht unbegrenzt Leute auf der Baustelle herumturnen. Es geht nicht nur um die Standfestigkeit der Fassade, sondern vor allem um die Sicherheit der Bauarbeiter. Das hat absolut oberste Priorität ", versichert Kagelmann.

Die Arbeiter tun, bei Einhaltung aller Vorschriften, was sie können. Die Männer einer Quedlinburger Firma, die zurzeit den Rohbau hochziehen, arbeiten von montags bis sonnabends in zwei Schichten. Von 5. 30 Uhr bis 21 Uhr. Ab dieser Woche wird sogar bis 22 Uhr gearbeitet, denn der Bau hat es in sich. " Die Decke über dem Erdgeschoss ist bereits betoniert ", sagt Olaf Herbst, der Architekt, der täglich auf der Baustelle ist und sich auch um Planung, Bauabläufe und Kontrolle kümmert. " Der Bau dieser Decke war äußerst schwierig, denn die Arbeiten mussten kontinuierlich, faktisch in einem Guss, erfolgen ", so Herbst. 450 Kubik meter Beton wurden so in den vergangenen Tagen verarbeitet. 31 Tonnen Bewehrungsstahl wurden eingegossen, um dem Betonkoloss die notwendige Stabilität entsprechend der statischen Vorschriften zu verleihen.

" Der Bauverzug verursacht keine Mehrkosten ", versichert Kagelmann. Das Projekt sei zu 100 Prozent fi nanziert, werde durch das Land hoch gefördert und habe nichts mit anderen Nosa-Projekten zu tun. Das Land unterstützt das Projekt mit drei Förderbescheiden. Das Empfangsgebäude koste knapp sieben Millionen Euro, davon sind 3, 9 Millionen Euro Fördergeld. Das westliche Nebengebäude, wo die Bahnhofsmission einziehen wird, sei mit fast 400 000 Euro veranschlagt, davon rund 300 000 Euro Förderung. Parkplatz und Außenanlagen kosten zirka 900 000 Euro, wobei das Land Sachsen-Anhalt hier 700 000 Euro zuschießt.