Es ist schon gute Tradition, dass Naturfreunde der Region alljährlich Wiesen pflegen. Darunter auch einen Schwermetallrasen. Denn der wird nicht etwa entsorgt, sondern geschützt, weil er die Grundlage für eine einzigartige Flora an der Warmen Bode bildet.

Tanne / Sorge. Zum Pflegeeinsatz für den geschützten Schwermetallrasen an der Warmen Bode trafen sich unlängst Mitglieder des Harzklubs Tanne und der Naturschutzvereine des Landkreises Harz. Bei dieser schon traditionellen Pflegeaktion ging es um eine aus dem Altbergbau stammende, für den Laien kaum zu sehende Schlackenhalde.

" Boden ist durch Schlackenreste toxisch belastet "

" Ihr Boden ist durch schwermetallhaltige Schlackenreste, vor allem Kupfer und Zink, toxisch belastet und daher für die meisten höheren Pflanzenarten unbesiedelbar ", erläutert Otfried Wüstemann aus Sorge, Mitglied im Naturschutzbund Deutschland ( NABU ) und Naturschutzwart des Harzklubs Tanne. Deshalb werde so eine Fläche fachmännisch Schwermetallrasen genannt. " Auf ihm wachsen nur wenige, auf diese Verhältnisse spezialisierte Pflanzen. Aber gerade diese spezialisierten Pflanzen sind sehr, sehr selten und müssen geschützt werden, da es für sie keine natürlichen Standorte mehr gibt ", so Wüstemann weiter. Oberflächlich anstehende schwermetallhaltige Gesteine seien in Sachsen-Anhalt durch den Altbergbau nahezu vollständig vernichtet worden. Der Experte : " Schwermetallrasen unterliegen deshalb einer europaweiten Fürsorge als, geschützter Lebensraumtyp ‘ nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Union. " Sachsen-Anhalt habe zu gewährleisten, dass die vorhandenen Schwermetallrasen erhalten werden und sich der Zustand nicht verschlechtert. Gefährdet seien sie durch Nährstoffeintrag und die dadurch bedingte zunehmende Vergrasung oder Bildung einer Humusschicht.

Unter naturschutzfachlicher Anleitung von Wüstemann wurden deshalb nun die Pflegearbeiten ausgeführt. Tannes Bürgermeister Frank Damsch und Revierförster Thomas Kuhfuß sorgten für eine fachgerechte Mahd mit der Motorsense. Sie diene dem Offenhalten der Fläche und der Abschöpfung von Nährstoffen.

" Die spezialisierten Pflanzen sind sehr, sehr selten "

" In diesem Jahr wurde erstmals auch etwas für die hier vorkommenden Bodenflechten getan ", informiert Otfried Wüstemann weiter. Dazu seien die Schlackehaufen an drei Stellen durchgesiebt worden, um den Feinerdeanteil zu reduzieren und damit den seltenen Flechten, die bevorzugt solche Stellen besiedeln, mehr Lebensraum zu geben. "

Ein Dank geht an alle Helfer wie Hanjo Wolf und Heinz Köhler aus Tanne sowie auch Joachim Müller und Udo Wolf, beide aus Westerhausen, und die ältesten Teilnehmer der Naturschutzaktion.