Zum ersten Mal fand am Wochenende der Schloss-Frühling auf Wernigerodes Wahrzeichen statt. Das abwechslungsreiche Programm mit Musik, historischem Handwerk und spannenden Ritterspielen lockte 10 000 Besucher an.

Wernigerode. Um die 10 000 gut gelaunte Besucher vom Walpurgistag bis zum 3. Mai, vorwiegend gutes Wetter mit strahlendem Sonnenschein und ein fein erlesenes Angebot an Kultur, Händlern und Gastronomie – das kennzeichnete die erste Walpurgisnacht und den ersten Schloss-Frühling hoch über der bunten Stadt.

Die Besucher und Schloss-Geschäftsführer Dr. Christian Juranek waren mehr als zufrieden. " Die Stimmung war einfach Klasse. Ein besinnliches Mittelalterfest, das gut zum Charakter und der Atmosphäre des Schlosses passte ", sagte der Chef. " Besonders schön war es in der Dunkelheit zu Walpurgis. Das Fest lebte sehr von der Stimmung, vom Widerschein des Lichts in der Sandsteinfassade, von vielen Menschen. "

Auch die Gäste waren des Lobes voll : " Schön, abwechslungsreich und ganz anders als Mittelalter sonst ", meinte Familie Weber aus Staßfurt, die besonders die musealen Angebote hervorhob. Sie waren an allen Tagen im Eintritts preis zum Frühlingsfest enthalten. Kassiert wurde gleich am Schlosstor. Wie eine Schnecke wendelte sich die " Ladenstraße " mit über 50 Buden und Ständen bis hoch in den Innenhof, fortgesetzt mit Rundgängen durchs Museum.

Historische Genüsse gab es ebenso wie Schmuck, Töpferwaren, schöne Kleider und Gewänder. Ein Handwerker schmiedete damaszener Klingen, polnische Kunsthandwerker schufen Gürtel, Taschen und Schuhe und schnitzten kunstvolle Hexen oder florale Motive. Porträtzeichner hatten ebenso wie Wahrsager ihre Stände aufgebaut. Es gab Kirschbier aus dem Kloster Neuzelle und vielerlei Wein – nicht in Pappe, sondern in Keramikbechern kredenzt.

Fest passt zur Atmosphäre des Schlosses

Eine Bäckerin aus Baden-Württemberg bot Flammkuchen und " Seelen " an – schmackhafte längliche Brötchen. Arabisches Gebäck und gefülltes Fladenbrot – auch gastronomisch war das Angebot international. Auf dem Bäckerhof, der Terrasse, der stimmungsvollen Weinterrasse und dem Innenhof standen prächtig ausgestaltete Bühnen und Podien. Auf ihnen spielten und musizierten im Wechsel die Gruppen " Ohrenpeyn " und " Gryn Aap " auf historischen Instrumenten wie Harfe, Blockflöte, Trommel und Dudelsack. 15 Mitglieder der heimischen Ritterschaft " Vita de Hartesrode " – von Hasserode – zeigten Kampfspiele mit Schild, Schwert, Lanze und Morgenstern. Hoher Showwert, aber ganz schön gefährlich, wenn die Fäuste und Schwerter flogen.

Die Märchenerzählerin Barbara Lemko schuf nur mit ihrer Stimme die Imagination Transsylvaniens mit ganz besonderen Geschichten voller Wehmut und Kraft. Sie verzauberte Kinder und Erwachsene gleichermaßen, unterstützt von Theodor Tomolescu, der die Musik seiner rumänischen Heimat vorstellte. Diese Volksmusik ist Weltmusik !

Zu erleben waren Mittelalterspiele bei den dressierten Hermelinen von " Alrun ", und die Hexe Chibraxa verbreitete Spaß mit skurrilen Geschichten und einem Feuerspektakel.

Abwechslungsreich, schön – anders als Mittelalter sonst

Insgesamt war der " 1. Schloß-Frühling " ein aufwendiges und ganz besonderes Angebot. Es war kulturvoll und anregend. Auffallend, dass die vielen Besucher kaum Unrat und Müll hinterließen – die Kulturstätte erzog zu sorgsamem Umgang. Ob es eine Fortsetzung geben wird, konnte Christian Juranek noch nicht sagen. Er wolle zunächst die Zahlen abwarten. Vielleicht hat es sich ja doch gerechnet ...