Torfhaus. Niedersachsens CDU-Regierungschef bleibt dabei : Im Harz soll es nur einen " Oberharz " geben. Dass Christian Wulff dabei an die gleichnamige Samtgemeinde rings um Clausthal-Zellerfeld denkt, die seit 1974 diesen Namen trägt, überrascht nicht. Als der Ministerpräsident aus Hannover in dieser Woche in Torfhaus das 1, 3 Millionen Euro teure Nationalpark-Besucherzentrum eröffnet, wird auf diesen Kommentar zum Ost-Westharzer Namensstreit förmlich gewartet.

Zumal viele der rund 220 Gäste aus der Region von seinem Brief an Sachsen-Anhalts Regierungschef wissen. Wolfgang Böhmer ( CDU ) jedenfalls musste seinem Kollegen mitteilen, es sei durchaus üblich, mehrfach verwendete Ortsnamen durch einen Zusatz zu kennzeichnen ( Volksstimme berichtete ). Die neue Ostharzer Stadt um Elbingerode will sich bekanntlich " Oberharz am Brocken " nennen, was selbst in der Schierker / Wernigeröder Nachbarschaft auf Ablehnung stößt.

Böhmer habe mitgeteilt, er habe Verständnis für die Sorgen um eine Verwechslung, ihm gegenüber aber auch auf die kommunale Selbstverwaltung hinweisen müssen. Christian Wulff gegenüber der Volksstimme : " Ich interpretiere diesen Hinweis so, dass auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident gegen den doppelten Oberharz ist, aber rechtlich dagegen nicht vorgehen kann. " Der Niedersachse bekräftigte seinerseits, wolle die Harzregion künftig wirklich gemeinsam weiter vorankommen, sei es wenig hilfreich, in Konkurrenz zueinander zu treten, " das gilt auch für Namen. " Dass die betroffenen Gemeinden aus dem Kreis Goslar gegen den doppelten Oberharz juristisch vorgehen wollen, das halte er für angeraten, so Wulff.

Ob dieser Ost-West-Konf ikt,

ausgerechnet im Jubeljahr 20 Jahre deutsche Einheit bundesweit beachtet, auch eine moralische Komponente habe ? Sind die Ostdeutschen trotz der großen Aufbauhilfe aus Westdeutschland etwa undankbar ?

Christian Wulff : " In eine solche Kategorie würde ich diese Differenzen nicht einordnen. " Man schenke schließlich auch nicht, um seinerseits selbst beschenkt zu werden. Andererseits, sollten die Ostharzer freiwillig auf ihren umstrittenen Namensvorschlag verzichten, " wäre das auf jeden Fall eine passende Geste ".

Der Ministerpräsident mahnt, warnt und bittet wegen Harzer Namensdifferenzen nicht zum ersten Mal. Als bekannt wurde, dass Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg zum gemeinsamen Harzkreis fusionieren, hatte er im Interesse seiner Westharzer noch kurz zuvor im Wernigeröder Rathaus dagegen argumentiert – erfolglos. Dessen ungeachtet beteuerte Christian Wulff, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt blieben in jedem Fall gute Nachbarn.