Anfang April wurde der Deutsche Fachwerkpreis 2009 durch die Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte vergeben. Eine der Auszeichnungen ging an den Wernigeröder Heinz Blume für die vorbildliche Sanierung seines Wohnhauses am Oberpfarrkirchhof 10. Es gab aber noch einen zweiten Preisträger.

Wernigerode. Heinz Blume konnte die Ehrenurkunde aus berufichen Gründen bei der Jahrestagung der Vereinigung Anfang April in Eppingen im Kraichgau ( Baden-Württemberg ) nicht selbst in Empfang nehmen. Deshalb wurde sie dem 53-jährigen Fotografen jetzt von Baudezernent Burkhard Rudo nachträglich übergeben. Direkt vor dem von einer Fachjury als vorbildlich saniert gewürdigten Gebäude Oberpfarrkirchhof 10.

Dessen Geschichte liegt weitestgehend im Dunkeln. Klar ist allerdings das Baujahr 1579. Das konnte mit Hilfe eines speziellen Verfahrens zur Holzaltersbestimmung ermittelt werden, erläuterte der Dezernent. Es soll einst zusammen mit der angrenzenden Nummer 11 als sogenanntes Terminierhaus für die Mönche des Klosters Himmelpforte errichtet worden sein, besagt jedenfalls die Legende. Burkhard Rudo : " Das lässt sich so aber nicht mehr aufrechterhalten. " Das Kloster war nämlich bereits 1525 von aufständischen Bauern geplündert worden. Also muss es sich bei der Gästeherberge der Geistlichen um einen Vorgängerbau gehandelt haben.

Im hier und heute hatte Heinz Blume den Oberpfarrkirchhof 10 vor 15 Jahren von der Stadt erworben. In einem " ziemlich schlechten Zustand ", erinnerte sich der Wernigeröder. Eine von ihm zunächst selbst begonnene Rekonstruktion wurde deshalb sehr schnell abgebrochen. Blume : " Die Standsicherheit war gefährdet, an den Seiten und oben alles weggefault. " Dank Fördergeld von der Stadt und verschiedenen Firmen konnte das Projekt zwischen April und Dezember 1995 aber doch noch verwirklicht werden.

Heike Vehlhaber hat die Sanierung damals begleitet. Die Bauamtsbedienstete : " Dabei ist sehr viel erhalten geblieben, bis ins letzte Detail wie den verformten Hölzern. "

Die Bedeutung des Gebäudes im Herzen der Stadt unterstrich auch Burkhard Rudo. Dessen Konstruktion ist noch gotisch, der reiche Schmuck mit seinen Schiffskehlen, Taurollen und Palmetten aber bereits in Renaissanceformen und insgesamt niederdeutsch. Von dieser Art besitzt Wernigerode nur noch zehn Gemäuer. Der Rest ist Bränden zum Opfer gefallen.

Heinz Blume hat die Räume seines gut 130 Quadratmeter großen Domizils unverändert gelassen. Und fühlt sich darin wohl. " Das zeigt, Leben im Fachwerk ist nicht Frust, sondern Lust ", schmunzelte der Baudezernent. Ein Motto, dem der Herr des Hauses gerne beipflichtete.

Burkhard Rudo hatte übrigens noch eine zweite Ehrenurkunde in der Aktentasche. Sie wurde der Stiftung Schloss Wernigerode für die Rettung des um 1878 bis 1881 unter Karl Frühling umgestalteten Hofstubenhauses im Schlossinnenhof zuerkannt. Normalerweise, so der Dezernent, hätte die von Schwamm befallene Fassade komplett abgetragen und entsorgt werden müssen. Durch eine spezielle Behandlung mit 55 bis 60 Grad heißer Luft konnten die Pilzsporen und Fruchtkörper aber glücklicherweise zerstört werden. Eine zusätzlich eingezogene und mit Stahl verstärkte Konstruktion sichert die Substanz dieses historischen Kleinods.