In der Friedensstraße verfällt ein denkmal- geschütztes Haus. Niemand will es haben, dabei verbirgt sich auf dem Hof noch immer ein Motormühlengebäude mit Maschinen.

Wolmirstedt l Die Nummer 46 der Friedensstraße wirkt zwischen den anderen hergerichteten Häusern verwahrlost. Diesen alten Bauernhof möchte niemand mehr haben. Also löst sich der Putz, die Farbe blättert vom Tor, die Fensterläden sind dauergeschlossen. Dabei war dieses Gehöft einmal florierend. "Die ehemaligen Besitzer haben um 1900 eine Motormühle angeschafft", erzählt Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn. Die gibt es noch immer. Und damit diese Geschichte erhalten bleibt, wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt.

Eine Management- und Unterhaltungsgesellschaft aus Hannover will dieses Gebäude am liebsten abreißen. "Es gehört drei Privatpersonen", sagt Vorstand Matthias Schulz, "und wir bekommen es nicht verkauft." Erhard Jahn erinnert sich, dass die Gesellschaft nach dem Abriss 30 Pkw-Stellplätze einrichten wollte. Der Denkmalschutz durchkreuzte die Pläne. "Nur weil ein Gebäude verwahrlost ist, verliert es nicht seinen Denkmalstatus", macht der Kreisdenkmalpfleger klar. Außerdem sollen nur das Haus und der Seitenflügel erhalten bleiben. "Die ruinösen Nebengebäude können getrost abgebrochen werden", so Jahn.

Das Haus gehörte der Familie Auerbach, zu deren Besitz auch die Mühle am östlichen Stadtrand gehörte. "Mein Vater Kurt Auerbach hat die Mühle bekommen", erzählt Ursula Pankonien, "er war Landwirt und konnte seinen Lebensunterhalt mit der Bewirtschaftung der Felder verdienen." Kurt Auerbachs älterer Bruder Karl hatte Müller gelernt, deshalb fiel der Hof in der Friedensstraße mit der Motormühle aus dem Besitz einer kinderlos gebliebenen Tante an ihn. "Diese Mühle hatte den technischen Standard, um damit die Region zu versorgen", so Ursula Pankonien. Noch bis zur Wende war der ehemalige Bauernhof in der Friedensstraße bewohnt. Solange, bis die zweite Frau des verstorbenen Karl Auerbach das Gebäude nicht allein halten mochte.

Matthias Schulz sieht kaum Chancen, dass sich jemand dieses Gebäudes annimmt. Auch wenn es im Kern stabil sei, wie Erhard Jahn versichert. Matthias Schulz meint, dass es auch im Sanierungsgebiet der Stadt wirtschaftliche Lösungen geben muss. Abbruch.

Ursula Pankonien würde es um das Gebäude leid tun. "Das Haus steckte voller Geheinnisse", erinnert sie sich, "im Heu stand ein altes Grammophon. Das hat uns als Kinder fasziniert."

Sie würde sich wünschen, dass die verborgene Schönheit die Phantasie von interessenten anregt. "Auf dem Hof gibt es eine alte Bruchsteinmauer, der Weg zur Motormühle war so breit, dass Pferdefuhrwerke fahren konnten."

Bilder