Der Preisträger des höchsten Ehrenpreises der Stadt heißt in diesem Jahr Dieter Frinken. Für seine unermüdliche Arbeit in der Kreisverkehrswacht wurde er zum Neujahrsempfang der Stadt Wolmirstedt mit der Skulptur der Heiligen Katharina ausgezeichnet.

Wolmirstedt l Es war zweifellos der bewegendste Moment des Neujahrsempfangs. Laudator Erich Thiede nannte den Namen des Katharina-Preisträgers 2014, Dieter Frinken, und fast jeder im Saal erhob sich spontan. Es gab Applaus, rhythmisches Klatschen. Der Geehrte nahm die Ovationen mit tränenglitzernden Augen entgegen. Der anschließende Weg zur Bühne dauerte lange. Noch bevor Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) die Skulptur überreichen konnte, wurde Frinken von Glück- wünschen überhäuft.

Wer mit dem höchsten Preis, den die Stadt zu vergeben hat, geehrt wird, wird im Stadtrat bestimmt. Dieter Frinken bekam die Katharina für seine jahrzehntelange Tätigkeit in der Kreisverkehrswacht, deren Vorsitzender er ist. Erich Thiede ist der Präsident und wusste in seiner Laudatio, wovon er sprach. "Die zu ehrende Person ist kein Mediziner und hat sich dennoch immer für die Gesundheit aller Menschen eingesetzt", sagte Thiede, "er ist einer, der in seiner Größe besteht und sich immer weiter entwickelt." Dieter Frinkens Verdienste fassen weit, doch das wirklich Besondere ist die Tatsache, dass er in der Schulzeit jeden Morgen mit seinen Schülerlotsen an der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße/Schwimmbadstraße steht und den Schulweg bewacht. "Seit zehn Jahren hat es an dieser Kreuzung keinen Unfall gegeben", betonte Thiede.

Dieter Frinken ist 68 Jahre alt und denkt kein bisschen ans Aufhören. "Wenn es nicht mehr anders geht, fahre ich mit dem Rollator auf die Kreuzung", lautet einer seiner unverwechselbaren Frinken-Sprüche. Diese lockere Art macht auch die Verkehrsteilnehmerschulungen unterhaltsam, lässt die vielen Verkehrsprojekte in Kindergärten und Schulen stets ein Erfolg werden. Mit einem typischen Frinken-Satz begann er auch sich für die Katharina zu bedanken. "Als ich heute morgen zum Neujahrsempfang gefahren bin, habe ich nicht gewusst, dass ich mit einer, meiner, Frau herkomme und mit zwei Frauen zurückfahre."

Im Katharinensaal waren rund 180 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Kirchen und Kultur zusammengekommen. Bürgermeister Martin Stichnoth gab in seiner Rede einen Überblick über die Stadtentwicklung, schaute auf das Juni-Hochwasser 2013 zurück und warb für die Fortschreibung des "Stadtentwicklungkonzeptes 2030". Mehrfach lud er alle Bürger dazu ein, das Leben in der Stadt mitzugestalten. "Ich hoffe doch sehr, dass das Beispiel der Bürgerinnen und Bürger im Ehrenamt ansteckend wirkt", hob er ein Beispiel hervor, "es sind noch viele Plätze frei, an denen zwischenmenschliche Hilfe oft mehr bewirken vermag, als alle Anstrengungen von Politik und Verwaltung." Den Neujahrsempfang nannte Stichnoth als gute Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen und aufzufrischen. Diese Gelegenheit nahmen die Gäste gut wahr. Musikalisch wurden die Unterhaltungen vom Salon-Orchester Börde, einer Formation von Musikschullehrern unter der Leitung von Vera Kagan untermalt.

Inneminister Holger Stahlknecht (CDU) und Landrat Hans Walker (CDU) bescheinigten in ihren Grußworten der Stadt eine insgesamt positive Entwicklung und zogen ihre Schlussfolgerungen aus dem Juni-Hochwasser. "Dieses kritische Jahr hat uns stark gemacht", sagte Hans Walker, "wir haben durch die Katastrophe gemerkt, wieviel wir wert sind, wenn wir zusammen stehen." Für besondere Verdienste während des Hochwassers zeichnete Stichnoth Bürger mit der Fluthelfernadel des Landes Sachsen-Anhalt aus.

Zu Beginn des Neujahrsempfangs begrüßte der Stadtratsvorsitzende Gerald Zimmermann (CDU) die Gäste. Das hatte im Vorfeld im Stadtrat zu Diskussionen geführt. Zimmermann ist Vorsitzender des Taekwondo-Vereins, des Bauherrn für die Sanierung der Jahnhalle. Im Zusammenhang mit dem ungeklärten Verbleib von öffentlichen Geldern steht er im Visier von Ermittlern. Letztlich hatte sich der Stadtrat mehrheitlich für die Begrüßung durch Zimmermann ausgesprochen, um einer Vorverurteilung entgegenzuwirken. Dennoch verließen sechs Vertreter von FUWG, UWG, Linken und SPD während Zimmermanns offizieller Be- grüßung aus Protest den Saal.

   

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