Im Schäferweg in Barleben wird gegenwärtig eine dringend benötigte Mischwasserleitung verlegt - was die Anwohner freut. Was die Hauseigentümer aber maßlos ärgert, ist, dass der Erdaushub im anliegenden Ententeich entsorgt wurde.

Barleben l Das Wohngebiet "Grund" in Barleben hat seit Jahren ein "Wasser"-Problem. Selbst ein Abwasserpumpwerk, dass in den 90er Jahren im Schäferweg gebaut wurde, kann bis heute nicht für durchgängige Entspannung sorgen.

Der Grund: Das Regenwasser aus dem alten Ortskern, das noch immer über ein Mischwassersystem verfügt, wird über die Station im Wohngebiet entsorgt. Die Folge: Ein- bis zweimal im Jahr heißt es bei starken Regenfällen im Umfeld "Land unter".

Dr. Edgar Appenrodt, einer der besorgten Anwohner, schildert so ein Szenario: "In diesen Fällen läuft dann das Regenwasser von der Südstraße kommend in das System ein. Doch die Pumpen sind in diesen Fällen überfordert. Das Wasser staut sich, drängt zurück und tritt aus dem Gully an der Kreuzung Südstraße/Grund aus. Und jedes Mal stehen dann mehrere Grundstücke Zentimeter tief unter Wasser. Über Umwegen fließt es in den Ententeich ab. Nicht ohne Schaden zu hinterlassen."

Ein unzumutbarer Zustand, der seit Jahren andauert, aber seit Anfang März durch den Wasser- und Abwasserzweckverband entschärft werden soll. Bernd Zabel, Sachgebietsleiter Investitionen, kennt die Details: "Auf einer Strecke von 300 Metern wird eine neue Mischwasserabflussleitung vom Pumpwerk I verlegt." Wie der Sachgebietsleiter erläutert, soll diese neue Überlaufleitung bei extremen Regenfällen die Situation vor Ort entspannen und die riesigen Wassermengen in die angrenzende Sülze ableiten."

Die Arbeiten gehen zügig voran, dennoch gibt es bei den Anwohnern berechtigten Ärger. So wurden Stimmen laut, dass nicht alle Anwohner rechtzeitig über die Baumaßnahmen informiert wurden. Das wiederum kann sich Bernd Zabel nicht vorstellen. "Die Baufirma, die wir mit dieser Aufgabe betraut haben, hat uns zugesichert, alle betroffenen Haushalte mit entsprechenden Wurfsendungen, die über Bauablauf und die Verantwortlichkeit informierten, zu versorgen", so Zabel.

Während hier nach Aussagen von Appenrodt der Ärger bei den Anwohnern recht schnell verraucht ist, haben sie für ein weiteres Problem kein Verständnis: Nach seinen Aussagen wurde während der Bauphase zweimal der Damm zwischen dem Ententeich und der Sülze geöffnet. Appenrodt gab daher zu bedenken, dass dies in dem flachen und verschlammten Teich bei höheren Temperaturen "zu einem Fischsterben führen kann, was mehrfach in der Vergangenheit bei Niedrigwasser passiert ist".

Noch dramatischer, so der Barleber, aber stellt sich die "Entsorgung" des Aushubs für die neue Leitung dar. Nach seinen Schätzungen wurden rund 200 Kubikmeter im Ententeich abgeschüttet.

Auf Nachfrage der Volksstimme beim WWAZ teilte der leitende Ingenieur Bernd Zabel mit, dass der Ententeich - der im Eigentum des WWAZ ist - nicht zugeschüttet werden soll, "es handelt sich hierbei nur um eine zeitweilige Maßnahme. Das beauftragte Bauunternehmen schüttete in dem Bereich, wo später das Auslaufbauwerk für einen Regenwasserkanal errichtet werden soll, eine Landzunge an. So kann dieser Bereich soweit trocken gelegt werden, dass das Bauwerk sicher errichtet werden kann. Sobald die Maßnahme beendet ist, erfolgt umgehend der Rückbau des Aushubs".

Wie sich Dieter Torka, Leiter des Fachdienstes Natur und Umwelt des Bördekreises, gegenüber der Volksstimme äußerte, ist ihm der Sachverhalt bekannt, "aber die Ermittlungen dazu laufen noch". Er konnte dennoch bestätigen, dass es sich bei dieser "Entsorgung" um eine Ordnungswidrigkeit handelt.