Der Erste Weltkrieg beschäftigt auch Jörg Musahl aus Wellen. Hat er doch von seiner Lebensgefährtin einige Feldpostbriefe bekommen, die vor fast 100 Jahren deren Großonkel verfasst hat.

Wellen/Magdeburg l In Teilen der Wellener Geschichte kennt sich Jörg Musahl aus. Schon seit einigen Jahren befasst er sich intensiv mit der Historie des Ortes, hat so manche Akten in Archiven durchgeblättert und so manches Gespräch mit der älteren Generation im Ort geführt. Zusammengekommen ist bereits ein stattlicher Ordner mit allerhand Wissenswertem aus der Ortsgeschichte.

Doch auch ein kleiner Karton, den seine Lebensgefährtin in Verwahrung hatte, hat den Wellener interessiert, obwohl dieser nicht mit der Geschichte seines Heimatortes zu tun hat. In diesem Karton befinden sich etliche Briefe, die ein gewisser Bernhard Maaß im Ersten Weltkrieg an seine Familie geschrieben hat. "Dieser Bernhard Maaß war ein Großonkel meiner Lebensgefährtin", sagt Jörg Musahl.

Einige Lebensdaten dieses Mannes hat der geschichtsinteressierte Jörg Musahl bereits erforscht. So weiß er heute, dass Bernhard Maaß, der am 1. April 1896 geboren wurde, bereits ab 28. August 1914 im Fronteinsatz war. Da war er gerade 18 Jahre alt. "Er gehörte dem Magdeburger Pionierbataillon Nummer 4, dritte Feldkompanie an, außerdem gibt es Aufzeichnungen, bei denen IV. Armee in der 7. und 8. Infanteriedivision vermerkt ist", so Jörg Musahl. Die Heimatkaserne von Bernhard Maaß war die Mudra-Kaserne in der Magdeburger Turmschanzenstraße.

Im Einsatz war der junge Soldat, so erzählt Jörg Musahl weiter, bis Anfang 1915 im französischen Mercatel, das etwa 15 Kilometer von Arras entfernt liegt, und hinterher in Boiry-Becquerelle, elf Kilometer südlich von Arras. Am 15./ 16. Juni 1915 galt er bei Angres in den Lorettohöhen als vermisst, ehe er einen Tag später für tot erklärt wurde. Der Name von Bernhard Maaß ist, wie Jörg Musahl sagt, in der Gedenkstätte in Wervicq-Süd, ebenfalls in Frankreich gelegen, aufgelistet.

Obwohl Bernhard Maaß nicht einmal ein Jahr im Krieg war, bevor er starb, ist der Umfang der von ihm geschriebenen Feldpostbriefe, den Jörg Musahl nun in den Händen halten kann, groß. Die Briefe gingen damals an seine Eltern und seine drei Schwestern im Magdeburger Lorenzweg.

Besondere Aufmerksamkeit hat bei Jörg Musahl aber ein Negativ geweckt, das nach der Entwicklung einen Soldaten auf einem Pferd zeigt. Der Wellener weiß, dass es sich dabei nicht um Bernhard Maaß handelt, aber es muss ein Unteroffizier gewesen sein, der ihm nahegestanden hat. "Wer ist das und wo ist das Bild entstanden?", fragt Musahl nun und hofft, nach dem Abdruck des Bildes in der Volksstimme eine Antwort zu bekommen. "Vermutlich ist das Bild in Frankreich aufgenommen, die Gebäude im Hintergrund sind auch schon beschädigt", fügt er hinzu.

 

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