Wolmirstedt (mhä) l Wie ist es um den Hochwasserschutz an Elbe und Ohre bestellt? Was muss getan werden, um extreme Überflutungen in der Zukunft zu vermeiden? Darauf verlangt das Wolmirstedter Aktionsbündnis "Hochwasserschutz an Elbe und Ohre" seit 2011 Antworten. Die gab es am Mittwoch bei der Informationsveranstaltung im Katharinensaal im Beisein des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft.

Um es vorwegzunehmen: Die meisten Besucher im Saal fühlten sich endlich bestätigt: Verkrautung, Verlandungen und das ungenügende Abfließen in der Ohre, also die unzureichende Pflege des Gewässers, sind mit Ursachen dafür, dass Hochwasser verheerende Wirkungen zeigen.

Was Anwohner seit Jahren beklagen, bestätigt das Ingenieurbüro Klemm Jensen aus Leipzig. Von 22 untersuchten Pegeln zwischen Ohremündung und Wolmirstedt weisen 16 steigende Werte auf. Allerdings verwiesen die Mitarbeiter Gerald Schwenecke und Alexandra Kugler auch auf Messungen, nach denen seit 1987 erheblich mehr Niederschlag verzeichnet wird und viel weniger Wasser durch Betriebe verbraucht wurde.

"Zwei Wasserwerke haben den Betrieb eingestellt, dazu zwei Eisenbahnwasserwerke. Außerdem entnimmt das Wasserwerk Colbitz seit 1990 längst nicht mehr die Mengen aus der Ohre, um es versickern zu lassen", betonte Alexandra Kugler. Das alles führt zu dem deutlich erhöhten Grundwasserstand und den Vernässungen auf Äckern und Wiesen.

Die Untersuchungen an und in der Ohre belegen, dass sich auf der Sohle vor allem an Brücken leichte Ablagerungen gebildet haben. Besonders am Zulauf aus der Alten Elbe bestehe Handlungsbedarf, so die Ingenieure. Luftbilder belegten, dass Wohngebiete in Richtung Elbeu auf einer Höhe mit dem Wasserspiegel der Ohre liegen. Kritisiert wurde, dass Büsche und Bäume zu stark in den Uferbereich gewachsen sind. "Hier besteht Handlungsbedarf", so Schwenecke.

Welche Maßnahmen konkret einzuleiten sind, will das Ingenieurbüro bis Sommer 2015 schriftlich vorlegen. "Wir werden ein vernünftiges Angebot zur Unterhaltung schnüren", bekräftigte Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW).

Er konnte auch Bürgermeister Martin Stichnoth beruhigen, der nach den Kosten fragte. "Dafür ist das Land zuständig", so Henning. Was Kalibergbau und Absenkungen an Deichen betrifft, so beruhigte er die Fragenden, werde durch das Bergamt kontrolliert. Zum Schluss stellte Helge Reymann vom LHW den Arbeitsstand am Deich zwischen Glindenberg und Heinrichsberg vor. Alles laufe nach Plan. "Die Funktionstüchtigkeit ist schon jetzt im Winter gegeben", versicherte er, "bis zu 1,40 Meter packen wir obendrauf. Für das Fällen von 2,2 Hektar Wald werden 6,6 Hektar Stileichen nördlich vom Heinrichsberger Friedhof neu angepflanzt. Bis Ende 2015 wollen wir mit allem fertig sein." Darüber freute sich Alfons Hesse aus Glindenberg sehr: "Dann können wir ja Silvester 2015 mit einem sicheren Deich feiern. Hoffen wir, dass uns die Natur bis dahin in Ruhe lässt."