Wolmirstedt hat zwar im 16. Jahrhundert das Marktrecht erhalten, einen Marktplatz gab es in der Stadt jedoch schon damals nicht. In der heutigen Fußgängerzone wurden schon in früheren Zeiten Waren feilgeboten.

Wolmirstedt l In der Stadt Wolmirstedt gibt es bis heute keinen Platz, der sich als Marktplatz etabliert hat. Der Wochenmarkt wird in der August-Bebel-Straße abgehalten. Immer mittwochs und freitags bauen die Händler ihre Wagen in der Fußgängerzone auf, nebeneinander in einer Zeile zwischen den Einzelhandelsgeschäften. Das führt regelmäßig zu Diskussionen über Stellplätze der Wagen, ob sie längs oder quer stehen und auch über Abstände zu Schaufenstern ansässiger Geschäfte.

Lediglich für eine Gasse für Rettungsfahrzeuge ist gesorgt. Für den Durchgangsverkehr ist der Boulevard tagsüber völlig gesperrt. Die Poller können nur von einem ausgewählten Personenkreis durch spezielle Karten geöffnet werden. Ein Blick in das dritte Heft der "Beiträge zur Heimatgeschichte des Kreises Wolmirstedt" aus dem Jahr 1989 zeigt, dass solcherlei Diskussionen bereits seit Jahrhunderten geführt werden und auch die Absperrungen keine Erfindung der Neuzeit sind.

Bereits im 16. Jahrhundert, als Wolmirstedt das Marktrecht durch Erzbischof Sigismund übertragen wurde, hat es keinen Marktplatz gegeben. Der war bis dahin nicht notwendig gewesen, weil der Jahrmarkt seit dem 13. Jahrhundert an der Hildagsburg abgehalten wurde. Die befand sich dort, wo heute die Eisenbahnlinie zwischen Magdeburg und Stendal den Mittellandkanal kreuzt.

Im 16. Jahrhundert war diese Burg bereits wüst und Wolmirstedt durfte ab 1558 um den 1. Mai einen eigenen Frühlingsmarkt abhalten. Das genügte den Bürgern und Händlern bald nicht mehr. Gut 150 Jahre später, im Jahre 1701, erbat die Wolmirstedter Bürgerschaft vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Recht auf Markterweiterung. Erst 16 Jahre später wurde diese Bitte erfüllt. Wolmirstedt durfte neben dem Frühlingsmarkt auch am 18. Oktober jeden Jahres einen Vieh- und Krammarkt abhalten.

Die Markttätigkeit stellte die Stadt vor eine besondere Herausforderung. In Ermangelung eines Marktplatzes wurden schon damals die heutige Fußgängerzone als Ort des Straßenhandels genutzt. Die hieß damals noch Stendaler Straße, weil sie die Verbindung zwischen Magdeburg und Stendal darstellte und reichlich befahren war. Trotzdem stellten Händler und Handwerker links und rechts der Fahrbahn ihre Verkaufsbuden auf. Die Topfhändler platzierten sich beispielsweise dort, wo einmal das Kino war. Der Viehmarkt wurde in der Einmündung zur Gipfelstraße abgehalten.

Eng war es überall und so führte besonders der Markt in der Stendaler Straße immer wieder zu Streit. Ständig seien beim Magistrat Beschwerden von Fuhrleuten eingegangen, die sich über verstopfte Straßen beklagten, heißt es in den Beiträgen zur Heimatgeschichte. Weiterhin gerieten Händler und Hausbesitzer wegen des Abstandes der Verkaufsbuden zu den Häusern oft aneinander. Waren es anfangs Pferdefuhrwerke, die die Stendaler Straße befuhren, erschienen Anfang des 20. Jahrhunderts Kraftfahrzeuge auf der Bildfläche. Die Situation eskalierte und der Rat sperrte die Straße für den Durchgangsverkehr an den Markttagen in Frühjahr und Herbst kurzerhand ab. Poller gab es damals noch nicht, aber ortsfremde Kraftfahrer wurden bereits an den Ortseingängen der Stadt zurückgewiesen. Dort waren Männer mit roten Fähnchen postiert.

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