In Lindhorst schwelt seit einigen Monaten ein Konflikt zwischen einem Investor und der Bürgerinitiative Dorfanger. Im historisch gewachsenen Ortskern will sich ein Gewerbebetrieb ansiedeln. Dagegen geht die Bürgerinitiative an.

Lindhorst l Viele Jahre lang war der Dorfanger in Lindhorst ein regelrechter Schandfleck. Die ehemalige Gaststätte verfiel immer mehr. Nach einer Aufräumaktion zur 625-Jahr-Feier und einem gelungenen Jubiläumsfest auf dem Dorfanger und den umliegenden Höfen, kehrte wieder der graue Alltag für den Dorfmittelpunkt ein.

Doch seit einigen Monaten tut sich hier etwas. Zunächst fast unbemerkt wurde im alten Gaststättengebäude gewerkelt.

"Wir wurden erst aufmerksam, als eine alte Linde gefällt wurde."

"Wir wurden erst aufmerksam, als eine alte Linde gefällt wurde", sagt Herbert Wischeropp, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Dorfanger. Deren Mitglieder haben sich auf die Fahnen geschrieben, den historisch gewachsenen alten Dorfkern zu erhalten.

"Wir haben versucht den Bürgermeister zu überzeugen und den Investor zu sensibilisieren, dass mit dem Bau einer Glaserei eine Entscheidung getroffen wurde, die ein für alle Mal die Chance zerstört, die historische Lindhorster Ortsmitte zu erhalten. Der Ansatz der Bürgerinitiative war und ist, dem Investor mit Unterstützung der Gemeinde eine Ansiedlung im Gewerbegebiet von Colbitz schmackhaft zu machen. Es wurde sogar angeboten, mit privaten Mitteln, die bisherigen Aufwendungen des Investors zu entschädigen", informiert Herbert Wischeropp über die Ziele der Bürgerinitiative, "vielleicht ist es noch nicht zu spät, wenn Bürgermeister und Gemeinderat den Bauherrn überzeugen, sich im Gewerbegebiet anzusiedeln. Den alten Saal könnte man kurzfristig zu einer dringend benötigten Arztpraxis so ausbauen, dass der Bau sich in die Umgebung einfügt. Dies würde dem Anliegen, den Dorfanger als Platz für das dörfliche Leben zu erhalten, nicht widersprechen."

Die Mitglieder der Bürgerinitiative verweisen dabei auch auf das 1994 erstellte Konzept der Dorferneuerung für Lindhorst und die in diesem Zusammenhang geflossenen Fördermittel.

"Anfangs haben mir alle auf die Schulter geklopft, dass ich diesen Schandfleck beseitige."

Glasermeister Christoph Heyer betreibt seit einigen Jahren einen Betrieb in Genthin. Der Lindhorster möchte sich aber gern in seinem Heimatort ansiedeln. Er kaufte das Ruinengrundstück und stellte einen Bauantrag. "Anfangs haben mir alle auf die Schulter geklopft, dass ich diesen Schandfleck im Dorf beseitige", wundert sich der 34-Jährige über den plötzlichen Gegenwind.

Viel hat Heyer schon in Eigenleistung geschafft. Bis Ende dieses Jahres soll der Bau fertiggestellt sein.

Inzwischen gab es zwei Gespräche zwischen Investor, Vertretern der Bürgerinitiative, Bürgermeister Eckhard Liebrecht und dem Bauamt der Verbandsgemeinde Elbe-Heide.

"Herr Heyer hat das Grundstück gekauft und verfügt über alle erforderlichen Genehmigungen", stellte Bürgermeister Eckhard Liebrecht fest. Er wies auch darauf hin, dass sich das Baugrundstück auf dem Dorfanger laut Flächennutzungsplan der Gemeinde in einem so genannten M-Gebiet befindet. In diesem Mischgebiet sei sowohl Wohnbebauung, als auch Gewerbe möglich.

Eckhard Liebrecht antwortete auch auf die Nachfragen der Bürgerinitiative nach einem Gemeinderatsbeschluss: "Ein Ratsbeschluss ist in einem solchen Fall nicht erforderlich, es genügt, einen Antrag an die Verwaltung zu stellen."

Christoph Heyer hat lange darüber nachgedacht, das Angebot der Bürgerinitiative anzunehmen, sich die bisherigen Kosten erstatten zu lassen und einen anderen Standort zu suchen. "Aber für unseren kleinen Betrieb wäre ein Neubau im Gewerbegebiet zu aufwändig", begründet der zweifache Familienvater. "Das ist für mich keine Alternative. Bei dem großen Anteil an Eigenleistungen kann man außerdem den bisherigen Aufwand nur schwer in Geld ausdrücken."

Noch ist ein Ende der Auseinandersetzung nicht abzusehen. Im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung im Januar soll dem Vernehmen nach über das Thema gesprochen worden sein. Eventuell gefasste Beschlüsse würden auf der Ratssitzung am 9. Februar bekanntgegeben werden.

"Ich empfinde diese Situation als sehr belastend", bekennt Christoph Heyer, der sein Projekt dennoch mit Engagement weiterführen will. Die Bürgerinitiative behält sich indes vor, juristische Schritte einzuleiten.

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