Das Familienleben befindet sich im Wandel. Müssen die Erzieher deshalb zu "neuen" Ufern aufbrechen? Darüber wollte Hans-Dieter Dammering am Sonnabend mit 45 Erzieherinnen und einem männlichen Kollegen diskutieren. Der Leiter des Magdeburger Kinderförderwerkes war als Redner der "1. Kita-Konferenz" der Niederen Börde geladen. Er brachte nicht nur neue Impulse mit, sondern hörte sich auch an, was bei der Arbeit mit Kindern im Gebiet zwischen Samswegen und Vahldorf schon gut läuft. Und was vielleicht noch nicht.

Dahlenwarsleben. Normalerweise predigen die Erzieherinnen aus Kita und Hort ihren Kindern, wie man stillsitzt und zuhört. Am Sonnabend demonstrierten sie in der Aula der Astrid-Lindgren-Grundschule, dass sie das natürlich auch selbst beherrschen. Die Gemeinde hatte zur "1. Kita-Konferenz der Niederen Börde" geladen. Ziel und Titel der Zusammenkunft lauteten: "Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft".

Ordnungsamtsleiterin Daniela Baars hatte die Premierenveranstaltung liebevoll vorbereitet. Von kleinen Trauben- zuckerbonbons gegen Konzen- trationshänger bis hin zu Übungen aus der Rückenschule wurde es den Teilnehmern so angenehm wie möglich gemacht. Denn Weiterbilden kann und soll Spaß machen – und die Kita-Konferenz keine Eintagsfliege bleiben, sondern künftig zweimal jährlich stattfinden.

Von 7256 Einwohnern gibt es in der Niederen Börde 335 Kinder unter sechs Jahren. Ohne den Hort stehen dieser Zahl aber nur 260 Betreuungsplätze gegenüber – ein Überhang, der auch nach der Erweiterung der Kapazität in der Samsweger Kita noch besteht. Der demografische Wandel macht aber natürlich auch vor der Niederen Börde nicht Halt. "Das Statistische Bundesamt rechnet im Jahr 2014 nochmal mit einem Anstieg auf 342 Kinder, danach geht es bis zum Jahr 2025 stetig abwärts, bis auf 190 Kinder", nannte Daniela Baars Zahlen, die sie mitgebracht hatte. Da aber im gleichen Zeitraum zwölf der aktuell 46 Erzieher in Rente gehen, "können wir allen, die heute hier sitzen, schon fast garantieren, trotz sinkender Kinderzahlen langfristig in der Gemeinde beschäftigt zu sein".

Auch Bürgermeisterin Erika Tholotowsky wohnte der Konferenz bei und nahm während ihrer Ansprache kein Blatt vor den Mund. So sei man als Gemeinde "eingeschlossen von Obergoliath (Haldensleben), Untergoliath (Wolmirstedt) und Supergoliath (Magdeburg)" und würde sich dennoch gut behaupten. Für junge Familien gebe es nicht nur günstigen Wohnraum, sondern auch eine gute Infrastruktur. "Außer einem Kino und einem Theater haben wir hier alles, was man braucht, um grundsätzlich gut versorgt zu sein." Dazu gehöre natürlich vor allem die Kinderbetreuung.

"Was mich unbedingt stolz macht, ist, dass wir uns 2004 dazu bekannt haben, keine unserer Einrichtungen in freie Trägerschaft zu geben", so die Bürgermeisterin. "Ich habe nichts gegen die freien Träger und deren Arbeit, aber wir wollten und wollen selbst mitbestimmen und gestalten."

Deshalb würde man kontinuierlich in die Infrastruktur, Ausstattung der Kitas sowie die Aus- und Fortbildung der Erzieher und Leiter investieren, um die Einrichtungen für die Zukunft gut aufzustellen. Aufgrund der Haushaltslage könne man dennoch nicht jeden Wunsch, der an die Gemeinde herangetragen wird, erfüllen. Zur Erläuterung der hatte Erika Tholotowsky einige Zahlen mitgebracht. So wurden seit 2006 nicht nur für fast zwei Millionen Baumaßnahmen vorgenommen, 136 000 Euro in die Werterhaltung und 120 000 Euro in die Ausstattung gesteckt, sondern auch allein beachtliche 55 000 Euro verbastelt.

Da es auf der Konferenz, die von der Gemeinde anberaumt und finanziert wurde, vor allem auch um die bessere Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern ging, kam mit Katja Dreier auch ein Mitglied aus dem Gemeindeelternkuratorium zu Wort. Sie regte zum Beispiel an, themenbezogene Elternversammlungen sowie vierteljährliche Gespräche zur Entwicklung der Kinder anzubieten.

Außerdem sollte man unter anderem darüber nachdenken, den Sprachfeststellungstest von externen Kräften, beispielsweise Logopäden, durchführen zu lassen, um mögliche Zweifel mancher Eltern an der Objektivität der Beurteilung ihrer Kinder aus dem Weg zu räumen.

 

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