Während die Kinder in der Aula gestern Fasching feierten, wurde im Zimmer der Schulleiterin schon der nächste Höhepunkt im Kalender der Gerhard-Schöne-Schule geplant. Im Mai kommen zum zweiten Mal Behinderte aus Israel nach Wolmirstedt. Hauptelement des Schüleraustausches ist ein gemeinsames Projekt zur Demokratieerziehung.

Wolmirstedt. Seit gut drei Jahren besteht ein intensiver Kontakt zwischen der Wolmirstedter Gerhard-Schöne-Schule und Beit Uri, einer Behinderteneinrichtung im Norden Israels. Dr. Eckard Frey, Vorsitzender des Fördervereins der Schöne-Schule, hatte den Austausch beider Einrichtungen damals angeregt.

Nach einem Besuch der Israelis im Jahr 2008 und dem Gegenbesuch der Wolmirstedter in Beit Uri 2009, kommt im Mai dieses Jahres wieder eine Delegation aus Israel. Die Einrichtung im Norden des Landes wurde kürzlich von Shimon Peres persönlich als beste Behinderteneinrichtung Israels ausgezeichnet.

Dazu habe sicher auch der Austausch mit Wolmirstedt einen Teil beigetragen, vermutet Frey und ergänzt : " So etwas wie unser Projekt gibt es nicht nur in Sachsen-Anhalt nicht noch einmal. Wir wollen damit ein Zeichen setzen, denn Behinderte kommen bisher in den Förderprojekten nirgendwo vor. Dabei sind auch sie ein Teil der Gesellschaft, haben ein Recht darauf, die Lebensweise anderer Kulturen kennenzulernen. " Unterstützt wird Frey bei der Planung des Besuches von Schöne-Schulleiterin Dagmar Lupu und ihrer Vorgängerin Gudrun Matthey.

Gut 12 500 Euro an Kosten entstehen für den einwöchigen Besuch der Israelis, die zusammen mit den Wolmirstedter Behinderten ein umfangreiches Programm absolvieren. Nicht nur der schuleigene Förderverein gibt Geld dazu, auch die Landtagsfraktion Die Linke hat Unterstützung angekündigt. " Außerdem hoffen wir auf Fördermittel vom Landesverwaltungsamt und durch die Bundeszentrale für politische Bildung ", so Frey weiter.

Stehen doch bei dem Besuch nicht nur das gegenseitige Kennenlernen, Sport und Spaß im Vordergrund, sondern auch die Vermittlung von demokratischen Werten. " Wir sehen es als wichtig an, dass auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aktiv an Projekten zur Demokratisierung und Globalisierung beteiligt werden ", heißt es in den Unterlagen des Austauschprojektes. Der Einblick in Konfliktregionen unserer Welt sei wichtig für die Schüler, um die Bedeutung des Friedens zu begreifen.

Damit auch die zehn Israelis und ihre beiden Betreuer, die am 3. Mai in Berlin landen, möglichst viel von dem Deutschlandbesuch mitnehmen, haben sich Dr. Eckard Frey, Dagmar Lupu und Gudrun Matthey ein umfangreiches Programm überlegt. Übernachtet wird im BFZ, tagsüber stehen gemeinsamer Unterricht an der Schöne-Schule, ein Stadtrundgang durch Wolmirstedt sowie Besichtigungen vom Magdeburger Dom und dem Jahrtausendturm an. Ein Ausflug in den Harz mit Fahrt auf den Brocken, der Besuch im Berliner Bundestag und eine gemeinsame Sabbat-Feier komplettieren das Austausch-Programm.

Die Wolmirstedter Schüler freuen sich schon auf den Besuch, auch wenn ihre Aufmerksamkeit gestern erstmal noch der großen Faschingsfeier galt.