Huskies einmal hautnah erleben, sprintend durch den Heidewald und lammfromm beim Streicheln im Camp : diese Möglichkeit hatten am Osterwochenende die Besucher der Waldgaststätte " Rabensol ". Der Sachsen-Anhalter Schlittenhunde-Sportclub ( SASC ) hatte mit Freunden Station zum Trainieren und Fachsimpeln gemacht.

Colbitz. Schon am Morgen sprinten die Huskies unter Reif benetzten Linden durch den Heidewald. Nur das Getrappel der Pfoten und das Gehechel der Hunde ist zu hören, ab und zu ertönt ein Ruf vom " Musher ", hinten auf dem Wagen, der seinen Hunden die Richtung weist. Das Gebell und Gerangel vom Start sind verflogen. " Sind die Hunde erst einmal unterwegs, denken sie nur noch ans Laufen ", berichtet Helmut Gottschlich und braucht erst mal eine Tasse Kaffee. Seine harten Hände halten den dampfenden Becher ganz ruhig. " Die Strecke ist von Wildschweinen sehr aufgewühlt. Da merkst Du auf dem Wagen jedes Schlagloch bis in die Finger ", berichtet der Mann mit dem silbergrauen Bart und dem Tatzenknopf im Ohr.

Helmut Gottschlich ist das Urgestein des Hundeschlittensports in Sachsen-Anhalt. 1987 wurde es ernst mit seiner Leidenschaft. " Unser erstes Rennen fand mit sieben Gespannen in Oberhof statt, einige tschechische Freunde waren damals dabei. "

Warum gerade Huskies ? " Ich liebe ihre Ursprünglichkeit. Sie bewahren sich ihren Charakter, lassen sich nicht unterordnen und abrichten wie andere Rassen. Sicher halten sie im Geschirr Disziplin, aber sobald sie aus dem Geschirr sind, geht das Gerangel untereinander los. " Zu Menschen sind die Sibirian Huskies nach ihrem " Ausritt " sehr zutraulich und lassen sich ausgiebig streicheln. Das nutzten am Sonnabendmorgen viele Schaulustige. Einige " Musher " nahmen Kinder mit auf ihr Gespann : eine einmalige Gelegenheit, bei der man nur ruhig und angstlos bleiben muss.

Neben den zwölf Mitgliedern des SASC waren am Wochenende auch Freunde aus der Lausitz zum Trainingscamp nach Rabensol gekommen. Eigentlich lieben die Schlittenhundesportler, wie es der Name schon sagt, die Fahrten auf Schlitten am meisten. " Das ist ein ganz anderes Fahren, allerdings braucht man dazu noch mehr fahrerisches Geschick als auf den Wagen, vor allem bei Einzelläufen auf Skiern. Da musst Du mitskaten ", berichtete Götz Bramowski, der 2009 mit seinen vier Huskies den Europameistertitel erringen konnte. Disziplinen gibt es sowohl auf den Wagen wie mit dem Schlitten jede Menge. Es gibt die Läuferklasse, bei der Vereinsmitglied Janine Köhler EM-Silber holte, in der Velo-Klasse ( ein Fahrrad mit zwei Hunden ) holte Steffen Nadolny Gold. Und es gibt die Sonderwertung. " Diese Rasse wird immer seltener, die Samojeden stammen aus dem östlichen Ural, sie sind nicht ganz so schnell wie Huskies, eben mehr für längere Strecke geeignet und sie sind gute Hüte und Wachhunde ", erzählt Gottschlich und wirft einen liebevollen Blick zu seinen schneeweißen Hunden. Mit dem Samojeden-Gespann belegte Helmut Gottschlich bei der EM 2009 immerhin Rang 8.

Für die großen Erfolge eines so kleinen Vereins muss man hart und oft trainieren. Und man sollte sonst nicht viele Hobbys haben, allein schon wegen der Zeit und vor allem wegen der Finanzen. " Für einen guten Hund werden schon mal an die 1 000 Euro fällig, und es bleibt ja nicht bei einem. Hinzukommen Ausrüstungen wie Schlitten, die heute schon mindestens 1200 Euro kosten, das sind echte High-Tech-Produkte. Da ist nichts mehr mit Holz. Auch ein Wohnwagen ist meist nötig. Da kommt unterm Strich schon ein Haus zusammen. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich liebe meinen Sport ", sagt Gottschlich und ergänzt : " Unser jährliches Hauptrennen führen wir immer im November in Eggenstedt, in der Nähe von Seehausen ( Börde ), durch. Mit Freunden aus dem Harz organisieren wir einen weiteren Lauf. " Die Chance, dass der SASC in Colbitz bald ein drittes Rennen pro Jahr zu veranstaltet, steht gar nicht so schlecht. " Es laufen Gespräche mit Christian August von der Heidebrauerei, hier ein Rennen zu organisieren. Das könnte entweder im Herbst oder Ende März 2011 geschehen. "