Vier Landtagsabgeordnete der Linkspartei-Fraktion, unter ihnen der Fraktionsvorsitzende Wulf Gallert, besuchten im Rahmen ihrer Frühjahrs-Kommunaltour gestern Vormittag die Kiesgrube Farsleben und kamen anschließend mit Vertretern der Bürgerinitiative "Contra Deponie" zu einer Diskussionsrunde in Wolmirstedt zusammen.

Farsleben/Wolmirstedt. "Wenn Genossen während ihrer Tour in den Kreis kommen, das geschieht zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, dann sollen sie sich an jenen ,Brennpunkten‘ umschauen, die auch die Menschen vor Ort bewegen", umriss Klaus Czernitzki vom Kreisverband der Linken, der sich federführend für die "Rundreise" durch den Landkreis Börde verantwortlich zeichnete. "Und im Altkreis Wolmirstedt sind die Kiesgrube und die geplante Deponie brisante Themen, die die Menschen nicht nur in Farsleben seit Monaten diskutieren."

Die Kiesgrube der Firma Papenburg zwischen Mose und Farsleben, davon konnte sich Wulf Gallert, Fraktionsvorsitzender der Linken im Landtag von Sachsen-Anhalt, gestern Vormittag trotz Dauerregen überzeugen, ist ein seit 1993 gutes und professionell geleitetes Unternehmen.

Nun aber plant die Firma aus Niedersachsen eine Betriebserweiterung und zwar in Form einer Deponie der Klasse 1. Dazu steht Betriebsleiter Carlo Hinze, der die Gäste aus der Landeshauptstadt, unter ihnen auch den umweltpolitischen Sprechen André Lüderitz, und Gudrun Tiedge, Sprecherin für Innen- und Rechtspolitik, über die Anlage führte und ihnen dabei das geplante Vorhaben erläuterte.

Langfristig geht es dem Unternehmen um die Fortführung des Sandabbaus und nach Auskiesung um eine ordnungsgemäße Verfüllung der Grube mit zugelassenen mineralischen Stoffen, zum Beispiel Boden, Bauschutt oder Schlacke.

"Die Einlagerung ist mit einer Laufzeit von 42 Jahren ab 2011 auf einer Fläche von 20 Hektar mit einer maximalen Höhe von 15 Meter und Abflachung zu allen Seiten angedacht", so der Betriebsleiter. Andre Lüderitz, dem, wie allen Mitgliedern, Einsicht in die Bauunterlagen gewährt wurde, zeigte sich beim Rundgang von der Kiesgrube beeindruckt: "Eine vorbildlich geführte Anlage", so der umweltpolitische Sprecher der Linken. "Auch, was den geplanten Bau der Deponie betrifft, sehen wir als Fraktion rechtlich keine Bedenken."

Eine Aussage, die Wulf Gallert im vollen Umfang so unterschreiben müsste, wie er betonte: "Ich glaube, dabei bin ich Atheist, die Deponie bekommt man nicht verhindert." Dennoch zeigte der Fraktionsvorsitzende volles Verständnis für jene Anwohner, die sich schon vor Monaten in einer Bürgerinitiative formierten und inzwischen über 500 Mitglieder zählt. "Ich kann deshalb nur raten, wenn die Deponie einmal betrieben werden soll, der Geschäftsleitung auf die Finger zu schauen ", so Wulf Gallert

Für Katrin und Lutz Dienemann, die sich gegen den Bau der Deponie stark machen, war die Aussage sehr ernüchternd. Die beiden Farsleber hatten stellvertrend für die Bürgerinitiative "Contra Deponie" die Einladung zu einer Gesprächsrunde ins Bürgerhaus angenommen, um mit den Landtagsabgeordneten gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Die Erwartungshaltung an die Gesprächsrunde unsererseits war eine andere", so Lutz Dienemann, "trotzdem werden wir uns durch die Aussagen nicht unterkriegen lassen, wir werden weiter gegen die Deponie angehen."

Der Sprecher der Bürgerinitiative betonte in dieser Runde nachdrücklich, dass sich ihr Widerstand nicht gegen das Unternehmen selbst richtet, sondern allein gegen die angedachte Deponie. "Wir sind vor Jahren bewusst nach Farsleben gekommen, um in waldreicher Gegend zu wohnen. Das wird mit dem Bau der Deponie nicht mehr gegeben sein. Das bedeutet, die Wohnqualität wird für viele Menschen, nicht nur in der Ortschaft Farsleben, nicht mehr gegeben sein." Und die beiden Mitglieder der Bürgerinitiative machten in dieser Runde noch einmal darauf aufmerksam, dass im Zuge der Arbeiten sieben Hektar Wald gerodet werden sollen.

Ein Politikum, wie Lutz und Katrin Dienemann nachdrücklich betonten. Hier aber konnte André Lüderitz versichern, dass dafür durch das Unternehmen nicht nur die vom Gesetzgeber erforderlichen elf, sondern 13 Hektar, diesmal hochwertigen Misch-Laubwald, neu aufgeforstet werden sollen.

"Wovon aber hat zumindest unsere Generation nichts", so die beiden Mitglieder der Bürgerinitiative. Die jedoch weiter in ihrem Bemühen gegen die Deponie auf die Unterstützung durch die Fraktion Die Linke im Stadtrat bauen können, wie der Fraktionsvorsitzende Sebastian Filipp abschließend versicherte.

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