Seit gestern stehen die Ackendorfer Kinder und Jugendlichen ohne ihren Jugendklub da. Und sie finden das gut! Grund für die Freude ist der katastrophale Zustand im hinteren Anbau des Sportlerheims.

Ackendorf. Während die Mitglieder des Sportvereins in den vergangenen Monaten mit viel Mühe und Fleiß ihr Vereinsheim auf Vordermann gebracht haben und am vergangenen Sonnabend die Einweihung des Sportlerheims gefeiert haben, klettert im Jugendklub am südlichen Ende des Gebäudes der Schimmelpilz die Wände hinauf. Und das seit Jahren.

"Wir fordern, dass sich das endlich ändert", erklärten am Montagabend die Jugendlichen Saskia Schick und Florian Nieter am Rande der Sitzung des Kulturausschusses. Florian ist asthmakrank und hat erhebliche Atemprobleme, wenn er im Klub weilt.

Bereits zum Auftakt der Kulturausschuss-Sitzung hatte Ackendorfs Ortsbürgermeister Martin Plate einen zusätzlichen Tagesordnungspunkt zum Thema Jugendklub mit Vor-Ort-Besichtigung beantragt. Die Ausschussrunde stimmte dem zu. Ursprünglich hatten die Mitglieder sich einen angenehmeren Abschluss mit der Besichtigung des Dorfmuseums vorgestellt. Doch angesichts der von Plate vorgetragenen Brisanz im Jugendklub und noch nötiger Arbeiten im Museum selbst lenkte der Ausschuss ein.

Schimmel überall auf der Außenwand

Vor Ort im Jugendklub zuckten die Augen der Ausschussmitglieder vor Schock. Im höhlenartigen Dunkel des Klubs schimmerten abgewetzte Möbel im Grau. An den blanken Putzwänden zeichnete sich in allen Ecken und Kanten Schimmel ab. Mit dem Finger strich der Niederndodeleber Peter Nellen den schwarzen Schimmel von der Wand. "Dieser Schimmelbefall ist aller Wahrscheinlichkeit stark gesundheitsgefährdend", stellte Nellen fest. Die Ausschusskollegen nickten bedrückt mit den Köpfen.

Frei atmend sortierte sich der Ausschuss vor der Tür des Jugendklubs an frischer Luft. Klaus Ehlers rief den letzten Tagsordnungspunkt des Tages auf. Und der ging ganz schnell über die Bühne. Peter Nellen formulierte einen Antrag: "Erstens: Wegen starken Pilzbefalls mit wahrscheinlich gesundheitsgefährdenden Folgen wird der Ackendorfer Jugendklub sofort geschlossen. Zweitens: Das Bauamt der Gemeinde Hohe Börde wird beauftragt, umgehend nach Alternativen für einen neuen Jugendklub im Dorf zu suchen. Bis spätestens zum Herbst muss eine Lösung gefunden werden." Zwar hat der Kulturausschuss keine Beschlusskompetenz – wegen "Gefahr im Verzug" wurde aber die ebenfalls anwesende Bürgermeisterin Steffi Trittel gebeten, die Klubschließung umgehend zu verfügen.

Im Gespräch ist bereits eine Container-Variante. Aus der Ausschussrunde kam der Vorschlag, sich mit der Ortschaft Groß Santersleben in Verbindung zu setzen. Dort ist der Jugendklub im Herbst 2009 aus einem Container in das neue Dorfzentrum "Hopfenhaus" umgezogen.

Saskia Schick froh: Endlich tut sich etwas

Saskia Schick und Florian Nieter waren glücklich: "Sicher: Wir haben jetzt erstmal keinen Klub mehr. Aber endlich tut sich etwas, woran wir schon nicht mehr geglaubt haben. Es wäre natürlich schön, wenn der Container so schnell wie möglich kommen könnte. Das hoffen wir jetzt alle." Der Jugendklub war bisher werktags von 15 bis 21 Uhr geöffnet. Täglich kommen fünf bis zehn Ackendorfer Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in den Klub. Das Verhältnis zwischen den Klubbesuchern und dem Betreuer ist gut.

Weitere Details zur Lösung des Klub-Problems will der Kulturausschuss Hohe Börde auf seiner nächsten Sitzung diskutieren.