Wolmirstedt ( gbi ). Zum 48. Lesetee am vergangenen Donnerstag konnten die Wolmirstedter Bibliothekarinnen einen Ringelnatz-Preisträger begrüßen, und zwar den in Hamburg lebenden Achim Amme. Der Autor, der am Tag nach der Lesung seinen 60. Geburtstag feierte, stellte sich der Achterbahn der Gefühle, hatte sich vor allem der Erforschung der weiblichen Erotik verschrieben. " Auf eigene Gefahr " heißt sein Buch " und es ist das einzige Buch, das ein Mann aus weiblicher Sicht schrieb ", betonte der Autor. Er hat 66 Frauen interviewt, hat sie zu ihren erotischen Phantasien befragt und meist erstaunlich offene Antworten bekommen. Nackt am Strand sitzen zum Beispiel oder die Jane von Tarzan zu sein. Achim Amme hat daraus keine Nabelschau-Geschichten gestrickt, sondern " 66 sexy Sonnets ". Und auch mit der Definition eines Sonetts ließ Amme die Zuschauer nicht im Regen stehen, sondern erklärte kurz die Form des 14-zeiligen Gedichtes im fünfhebigen Jambus, hielt sich aber nicht lange mit dieser theoretischen Vorrede auf. Seine rhythmischen Vierzehnzeiler amüsierten das Publikum und weil Amme nicht nur Gedichte und Geschichten schreibt, sondern auch Lieder, holte er andauernd seine Gitarre auf den Barhocker und gab seine Lieder zum Besten, die in Witzig- und Spritzigkeit den " sexy Sonnets " in Nichts nachstanden.

" Ich habe auch eine Geschichte dabei ", sagte er und las Verwirrendes vom Wirrwarr heutiger Beziehungen, in denen sich Exfrauen, Geliebte, Freundin, schwuler Freund der Freundin und noch allerlei Menschen tummeln und man trotz dieses breitgefächerten Beziehungsgeflechts an Silvester allein bleibt, bestenfalls mit dem kranken Freund bei Kamillentee fernsieht und das auch nur, weil der Freund wegen seiner Krankheit vom Sofa nicht weg kann.

Am Ende der Lesung blieb bloß noch die Frage, mit wem Achim Amme denn nun seinen 60. Geburtstag feiert. " Fast gar nicht ", sagte er, denn bereits Sonntag hatte sein neuestes Programm Premiere und " da muss ich mich noch ein bisschen drauf konzentrieren und vorbereiten. "