Das zwölfte Wolmirstedter Adventsfest, organisiert von der Interessengemeinschaft Innenstadt, ist Geschichte. Musste man das Weihnachtsgefühl zu Beginn noch durch passende Musik und eine Schaum-Schnee-Kanone künstlich erzeugen, wurde es spätestens mit Einbruch der Dunkelheit auf dem Boulevard besinnlich, romantisch und ja, eben auch weihnachtlich.

Wolmirstedt. Rote Mützen waren zum gestrigen Adventsfest das beliebteste Accessoire auf der Bühne und bei den Festbesuchern, die über den Boulevard flanierten. Aus den Lautsprechern am Kinderkarussell tönte " Leise rieselt der Schnee. " Doch bei zehn Grad Plus rieselte nur die Schaum-Kanone, die das Team vom Schulze-Shop am unteren Boulevard-Ende aufgebaut hatte.

Um kurz nach elf Uhr eröffnete Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander zusammen mit Kerstin Andrée und Andreas Lücke von der Interessengemeinschaft Innenstadt das Fest. Natürlich waren auch das " Trinchen " ( Neele Wolff ) und der Weihnachtsmann ( Heinz Riecke aus Colbitz ) mit von der Partie. Das Duo bummelte dann über den Boulevard, was nicht bei jedem Begeisterung hervorrief. Die anderthalbjährige Alicia war von der Begegnung mit dem Weihnachtsmannes so verschreckt, dass dicke Tränchen über ihre Wangen kullerten.

Vor der Bühne hatten sich derweil stolze Eltern und Großeltern versammelt, die ihren singenden und schauspielernden Nachwuchs auf Fotos oder Videos festhalten wollten. Wie schon in den Vorjahren hatten die Kindergärten und Schulen der Stadt für das kulturelle Programm gesorgt. Natürlich drehten sich auch die vorgetragenen Lieder, Gedichte und Geschichten um das Thema Weihnachten, wurden Bratäpfel besungen und Lichter angezündet.

Die Glühweinstände ringsherum konnten sich um mangelnden Andrang nicht beklagen. " Mit Schuss " oder ohne, das klebrigsüße Getränk wurde gern konsumiert. Neu in der Angebotspalette war das " Glühbier ", eine Kreation, die von einer lokalen Brauerei zusammen mit einer Cateringfirma erdacht und auf dem Adventsfest erstmalig ausgeschenkt wurde.

Nicht für die Kehle, sondern für den Magen, war die Überraschung, die Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander mitgebracht hatte. Einen Meter maß die Stolle, die er an Festbesucher verschenken wollte – und es dauerte keine Viertelstunde, bis der letzte Krümel vom Blech verschwunden war.

Einen besonderen musikalischen Gast konnte Thomas Schalwig am Nachmittag auf der Bühne begrüßen : Andreas Lüder aus Hohenwarsleben hatte sich schon zwei Mal bei der Fernsehsendung " Deutschland sucht den Superstar " beworben, war aber über das erste Vorsingen nie hinausgekommen. Das Publikum vor der Bühne in Wolmirstedt konnte das nicht verstehen. " Der hat ja eine tolle Stimme ", urteilte eine ältere Dame im Publikum nach dem Kurzauftritt.

Dass um kurz vor 16 Uhr zahlreiche Festgäste in die Sparkasse liefen, um dort dem Weihnachtskonzert zu lauschen, war auf dem Boulevard nicht zu merken. Mit Einbruch der Dunkelheit kam richtige Weihnachtsmarktathmosphäre auf, wurde es eng an den Ständen. Die Beleuchtung und ein bisschen Schaum-Schnee aus der Kanone taten ihr Übriges für das zum ersten Advent passende Gefühl.

Bevor der Gospelchor mit seinem Konzert in der Katharinenkirche den Abschluss des Festes einläutete, wurde auf dem Boulevard noch ein Feuerwerk gezündet. Margit Francke hatte die Raketen gesponsert und sorgte so für einen weiteren " Aha " -Effekt. Gegen Ende des Abends zeigte sich Andreas Lücke zufrieden. " Es war wieder ein sehr schönes Fest, der Zulauf war sehr gut ", bilanzierte der Vorsitzende der Innenstadthändler.

Ob man aber im nächsten Jahr wieder ein Adventsfest organisiert, das wollte Lücke trotz der positiven Bilanz nicht versprechen. " Derzeit wird ja über das Thema Stadtmarketing diskutiert. Sollte es wirklich so sein, dass da eine Gesellschaft gegründet wird, dann könnte ja auch diese die Organisationsfäden in die Hand nehmen. Wir Händler sind immer gerne dabei, aber ob wir nochmal die treibende Kraft sind, das wissen wir noch nicht. "

Die Wolmirstedter und ihre Gäste aus den Ortsteilen fänden es aber sicher schade, wenn diese liebgewonnene Traditionsveranstaltung im nächsten Jahr keine Neuauflage fände.