Wolmirstedt. Es ist immer wieder eine Wonne für Zuschauer dem Spektakel beizuwohnen : Ein junger Mann, 30 Jahre, ( noch immer ) ledig, der mit einem Besen versehen vor dem Rathaus steht, dort unablässig fegt, während umstehendes Volk Papierschnipsel und anderen Dreck auf der Treppe ausbreitet. In diesem Fall trifft es Andreas Neuhaus. Damit nicht genug, der Glindenberger, der heute in Magdeburg wohnt, musste vor Ort noch zum Gespött der Zuschauer, ein sehr gewöhnungsbedürftiges Kostüm anziehen. Dieses Spektakel dauerte in der Regel solange, bis ein Mädchen den Feger per Kuss erlöst. Andreas Neuhaus hatte am 3. Juli bei fast tropischen Temperaturen weit über eine Stunde schwer zu tun, bis er endlich erlöst wurde. Übrigens : Die Kulturanthropologin Kerstin Ehlert hat diesen regionalen Brauch untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die emsigen Feger meist gar keine Singles sind, sondern oft schon über Jahre in festen Verbindungen leben. Einzig den Schritt vor den Traualtar noch nicht gewagt haben. Nicht anders bei Andreas, dessen langjährige Freundin Nadine Günther gemeinsam mit Christian Knechtel, Susi Brasch, Davin Zick … den Spaß angezettelt hatten. Und natürlich fast alles über den Ursprung dieser Tradition wussten und weitergaben. So zum Beispiel, dass es diese Bräuche erst seit 50 Jahren gibt. Das Spektakel soll auf den Volksglauben zurückgehen, dass Menschen, die sich nicht an der Fortpflanzung beteiligt haben, nach dem Tod an einen fiesen Ort verbannt würden, wo sie überflüssige Arbeit machen müssten. Und auch das stimmt nicht. Das traute Paar hat eine gemeinsame Tochter, mit der sie und vielen anderen Freunden aus Wolmirstedt an diesem 30. Geburtstag noch lange im Bootshaus feierten.