Im ostelbischen Spinnkreis treffen sich Gleichgesinnte. Die Handarbeit verbindet die Frauen. In Zernitz trafen sie sich zur ersten Zusammenkunft in diesem Jahr. Offen ist der Kreis für weitere Mitstreiter.

Zernitz l Im Zerbster Umland treffen sich seit einem Jahr vor allem Frauen, um sich gemeinsam der Verarbeitung des tierischen Produkts zu widmen. Schafwolle steht dabei im Vordergrund. Die Verarbeitung von Wolle ist seit Jahrtausenden bekannt. In der modernen Industriegesellschaft ist das Wissen um die Tierfaser aber langsam in Vergessenheit geraten.

Es sind vor allem die Eigenschaften des tierischen Produkts, die die Frauen begeistern. Doch der Weg von einem Stück Schafwolle bis zu einer fertigen Socke ist lang, weiß Monika Sauer. Elf Frauen haben sich im ostelbischen Spinnkreis bisher gefunden. "Wir sind offen für weitere Mitglieder", bestätigt Heidi Rühlich. Zwei Frauen haben sich zum ersten Treffen des Spinnkreises eingefunden. Sie wollen mal sehen, was dort gemacht wird. Jeder, der Interesse an dem Hobby hat, sollte einfach mal vorbeikommen, sagt Heidi Rühlich.

Die Interessen der Frauen sind durchaus unterschiedlich. Cornelia Rogatty ist vor allem wegen der Beschäftigung dabei. "Mich begeistert weniger das fertige Stück, sondern der Weg dorthin", sagt sie. Als gelernte Schneiderin kennt sie sich mit Stoffen bestens aus. Ohne eine Beschäftigung würde sie es vor dem Fernseher abends kaum aushalten, gibt sie zu. Vor dem Bildschirm brauche sie eine Ablenkung.

Corinna Mangelsdorf aus Güterglück verdankt die Mitgliedschaft im Spinnkreis vor allem ihrer Mutter, sagt sie. Sie habe sie im vergangenen Jahr mitgenommen. Nun fahren sie zusammen zu den Treffen.

Obwohl sie sich ostelbisch nennen, darf auch eine begeisterte Heimwerkerin aus dem westelbischen Wespen an den Treffen teilnehmen. "Das nehmen wir nicht so ernst", bestätigt Heidi Rühlich. Gern würde sie aber auch noch Interessierte aus dem Jerichower Land begrüßen.

Ihr Hobby nehmen die Frauen trotz aller Gespräche ernst. Reißt ein Faden beim Spinnen, ist Knoten verboten, erklären die Frauen. Bei den Treffen geben sie sich Tipps und tauschen Erfahrungen aus. Vor allem geht es um die richtige Wolle. Längst nicht das gesamte Fell eines Schafes halten die Frauen für die weitere Verarbeitung für würdig. Nur die Rückenpartie sei wertvoll, erklären sie. Das Hauptproblem sei aber, dass hierzulande die Schafe wegen des Fleisches und nicht wegen der Wolle gezüchtet werden, sagt Monika Sauer. Gemeinsam suchen die Frauen nach der besten Wolle. Neben der Beschäftigung mit dem Naturprodukt ist es für Monika Sauer die Nachhaltigkeit, die die heimische Wolle so interessant macht. Die Nutzung der einheimischen Ressourcen sei für sie besonders interessant. Klar stelle sie sich damit gegen die weit verbreitete Wegwerfkultur, erklärt sie.

Je mehr Menschen sich für die Nutzung der heimischen Wolle entscheiden, desto interessanter werde dieser Markt für die einheimischen Schäfer, hoffen die Frauen auf bessere Wolle von den vor Ort gezüchteten Schafen, erzählt Monika Sauer.

 

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