Vor allem Familien mit Kindern zog es am Wochenende in die Spinnen- und Reptilienausstellung in der Zerbster Stadthalle. Vom winzigen Skorpion bis zum meterlangen Python gab es über 200 exotische Tiere zu sehen und einige auch zum Anfassen.

Zerbst l Vorsichtig fährt der kleine Paul mit seiner Hand über den Schlangenrücken. "Ganz weich" fasse sie sich an, berichtet er begeistert. Hat er Angst? Der Vierjährige schüttelt den Kopf. Ihm gefällt es, die exotischen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten oder sogar anfassen zu können. Er hat den Tigerpython genau beobachtet. "Zzzz", mache die Zunge der Schlange. Der Tigerpython liegt auf Christian Webers Schultern. Er ist Tierpfleger und für die Besucher der Ansprechpartner, wenn sie etwas über die Informationstafeln hinaus über die Spinnen und Reptilien in der Ausstellung in der Zerbster Stadthalle erfahren wollen. Wer es sich traut, kann den gut zehn Kilogramm schweren Python selbst um den Hals tragen.

"Die Schlange fasst sich ganz weich an. Ich habe keine Angst."

Besucher Paul, vier Jahre alt

In Zerbst startete die Spinnen- und Reptilienausstellung der Familie Hein am Sonnabend in die neue Saison. Jedes Wochenende machen sie zwischen Mecklenburg-Vorpommern, wo sie in Schwerin zuhause sind, und Thüringen Station in einer anderen Stadt. Die Exoten reisen in einem Sattelschlepper, der über Zentralheizung verfügt. Jedes Terrarium ist an die Stromversorgung angeschlossen. "Sonst würde es bei Minusgraden gar nicht funktionieren", erklärt André Hein. Die Ausstellung gibt es inzwischen seit zehn Jahren. Die Heins sind eine alte Zirkusfamilie. "Da haben wir mit Krokodilen und Schlangen gearbeitet." Dann kam noch ein Tier dazu und noch ein Tier, und schließlich wurde das Hobby zum Beruf.

Das sieht bei Christian Weber nicht anders aus. Aus anfangs einer Vogelspinne entwickelte sich die Leidenschaft für Exoten - und die Freude daran, sein Wissen mit anderen zu teilen. Er beantwortet den Besuchern jede Frage. Neben dem Tigerpython gehören Zack und Cody zu den Publikumsmagneten. 45 Jahre sind die großen Schildkröten bereits alt, "und werden uns überdauern", erklärt Christian Weber. Die zwischen 50 und 60 Kilogramm schweren Tiere haben eine Lebenserwartung von mehr als 120 Jahren. Zum Vergleich hatten die Aussteller zwei jüngere Schildkröten dazu gesetzt. Die Siebenjährigen, die übrigens ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammen, brauchen keine 20 Jahre mehr, um so groß wie die Älteren zu werden. In ihrem Gatter mitten in der Stadthalle hatten Zack und Cody "die Ruhe weg", wie Christian Weber seine Schützlinge beschreibt. Aber Vorsicht ist im Umgang mit ihnen dennoch geboten. Ihre Beißkraft ist beeindruckend. "Da muss man aufpassen, sonst ist der Finger weg."

Weil sie aus dem nördlichen Afrika stammen, wo sie beispielsweise in Steppen und Savannen leben, brauchen sie keine Winterruhe. Andere Tiere, die Winterschlaf halten oder gerade in der Häutung sind, haben die Aussteller in Schwerin gelassen.

"Da muss man aufpassen, sonst ist der Finger weg."

Tierpfleger Christian Weber

Etwa 250 Tiere konnten sich die Besucher zumeist in Terrarien anschauen. Manche hatten sich in ihrer kleinen künstlichen Welt gut vor neugierigen Augen versteckt, andere wie die Kornnatter hingen entspannt im Blumentopf.

"Wir wollen mit unserer Ausstellung den Menschen die Angst und den Ekel vor Spinnen und Reptilien nehmen", sagt André Hein. Die größte Schlange der Ausstellung, eine sechs Meter lange Netzpython, die noch drei bis vier Meter wachsen wird, flößt aber schon ordentlich Respekt ein. "Die Tiere sind alle deutsche Nachzuchten, alle von Menschenhand großgezogen", sagt André Hein. Eine eigene Zucht betrieben sie nicht, sondern kauften die Tiere dazu.

Vom Trubel um ihn herum unbeeindruckt war nicht zuletzt Leguan Leo, der eine Zeit lang auf Christian Webers Schulter sitzt. Bis zu zwei Meter lang und 20 Kilogramm schwer kann der Leguan werden. "In Südamerika sind die Tiere sehr weit verbreitet", erzählt der Tierpfleger, während Leo Streicheleinheiten einsammelt.

 

Bilder