Es wurde gebaut, gefeiert, geehrt und abgestimmt - das Jahr 2013 schneidet mehr als gut ab in der Bilanz zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins Schloss Zerbst.

Zerbst l Was kann ein Verein in einer Kleinstadt, der sich einem ruinenartigen Gebäude verschrieben hat, in einem Jahr erreichen? Wen kann er erreichen? In welchen Bereichen kann er aktiv werden? Die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Schloss Zerbst gab auf diese und viele weitere Fragen Antworten, die den Zuhörer in Staunen versetzen können. Aber der Reihe nach:

Bauliche Maßnahmen

Eines der Hauptziele des Fördervereins ist der Wiederaufbau beziehungsweise die Sicherung des Ostflügels des Zerbster Schlosses. Auch 2013 wurden hier große Schritte umgesetzt, um dem Ziel ein Stückchen näher zu kommen. Zumeist ist die Rede von Sicherungsmaßnahmen. Im Konkreten heißt das für 2013, dass man Gelder für die Herrichtung einer Treppenanlage eingesetzt hat, um das Souterrain und die Obergeschosse zu verbinden. Zudem wurden die historischen Gewölbe stabilisiert und ergänzt. Außerdem wurden Stahlbetondecken eingezogen, und ein provisorisches Dach ist installiert.

Ein schon langes bekanntes Problem konnte behoben werden: Der Sandsteinbalkon am Mittelrisalit wurde mit einer massiven Abdeckung versehen, so dass kein Wasser mehr in den Entreesaal laufen kann. Weiter ging es mit, in den 50er Jahren eingebauten, Notdecken und Zwischenwänden im Audienzgemach. Diese wurden herausgerissen, durch neue Stahlbetondecken ersetzt, die beiden Kamine wurden ausgebessert und die Decke geweißt. Außerdem wurden das Audienzgemach und das Grüne Kabinett elektrifiziert.

Politische Basis

Mehrmals betonte Vereinsvorsitzender Dirk Herrmann, dass sich vor allem die Zusammenarbeit mit der Stadt Zerbst sehr verbessert hätte. Generell scheint 2013 das Jahr für den Verein zu sein, wenn man auf Anerkennung und Unterstützung seitens der Stadt schaut. Eine Beschlussvorlage, die nur mit einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen angenommen wurde, sichert unter anderem die Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes und auch die Beteiligung der Stadt an Eigenanteilen für Fördermittel in Höhe von 130000 Euro. "Eine Bevorteilung des Fördervereins, wie einige wenige Stadträte der Umlandgemeinden meinen, sehen wir nicht", betonte Hermann, in Hinblick darauf, dass das Geld nur für Sicherungsmaßnahmen gedacht ist und somit in der städtischen Immobilie angelegt sind.

Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe "Schloss" ins Leben gerufen, in der Stadt, Stadtratsmitglieder und Förderverein zusammenarbeiten und unter anderem die Beschlussvorlage gemeinsam erarbeitet haben.

Veranstaltungen

Herausragendes Ereignis war wohl die Ausstellung "Zarskoje Selo - Die Sommerresidenz der Zaren", die in einer deutsch-russischen Kooperation entstand. Der große Zuspruch für die Ausstellung bewog den Förderverein, sie dieses Jahr nochmals ins Programm aufzunehmen.

Gestaltung und Anschaffungen

Es wurde auch 2013 viel dafür getan, die noch etwas kargen Räume mit barocken Details aufzuwerten. Dazu wurden Fenstervorhänge beschafft, Kristalleuchter, barocke Stühle, ein Spiegel mit Konsole, Palmen

und zwei barocke Figurenstaffagen. Außerdem wurden zwei neue Türen eingebaut, eine Supraporte hergestellt, eine Wandsamtbespannung umgesetzt und Goldrahmen für Gemälde angeschafft.

Größte Anschaffung waren wohl die zwölf Tische und 109 Stühle, um zukünftig unabhängiger und mit weniger Aufwand Veranstaltungen organisieren zu können.

In die Geschichte

Der Verein hat sich nicht nur der Geschichte des Schlosses verschrieben, sondern auch seiner eigenen. Deshalb ist die Vereins-Chronik im Jahr 2013 auch 227 Seiten stark. Dazu kommt die Bau-Chronik, die auf nochmals 75 Seiten die Geschehnisse am Schloss schildert.

Ehrungen

Auf zwei besondere Ehrungen blickte der Verein am Wochenende zurück. Vereinsvorsitzender Dirk Herrmann wurde in diesem Jahr mit dem Denkmalspreis Sachsen-Anhalt für seine 20-jährige Forschungs- und Publikationsarbeit zum Zerbster Schloss geehrt.

Eine weitere spezielle Ehrung und Verabschiedung gab es in der Versammlung selbst: Wolfgang Brademann, der 32 Monate in der Maßnahme "Aktiv zur Rente" für das Schloss tätig war und damit die regelmäßigen Öffnungszeiten ermöglichte, geht nun in Rente. "Wir hatten Glück, so einen engagierten und interessierten Mann auf dieser Stelle zu haben", lobte Herrmann und bot ihm eine Sondermitgliedschaft an. Wie es ohne Wolfgang Brademann weitergehen soll, ist noch nicht raus. Klar ist nur: Ohne eine neue Stelle dieser Art, stehen die geregelten Öffnungszeiten des Schlosses auf dem Spiel.

Bilder