Ein großes Herz für kleine Tiere haben die Zerbster Lindgren-Grundschüler. Seit inzwischen 19 Jahren gibt es das Froschprojekt, bei dem die Kinder Kröten und Frösche zum Pfannenberger Teich über die Straße helfen.

Zerbst l Cassandra und Emely sind mit dem Froschdienst an der Reihe. Begleitet von Bürgerarbeiter Torsten Fuchs radeln sie in der großen Pause um halb zehn die gut zwei Kilometer von der Astrid Lindgren-Grundschule an den Pfannenberger Teich in der Lepser Straße.

Kurz bevor der kleine, für die Amphibien aber unüberwindbare Zaun beginnt, steigen die Mädchen von ihren Fahrrädern, setzen die Helme ab, lassen aber ihre Sicherheitswesten an und streifen die Handschuhe über, die ihnen Bürgerarbeiter Torsten Fuchs gibt.

Auf ihrer Wanderung an den Pfannenberger Teich werden die Kröten und Frösche von dem Zaun, den Torsten Fuchs gemeinsam mit Hausmeister Detlef Filor aufgestellt hat, aufgehalten und landen auf der Suche nach einem Ausweg früher oder später in einem der auf Bodenhöhe eingelassenen kleinen Eimer.

Cassandra bückt sich nach dem ersten Eimer. Den nutzen die Kinder zum Einsammeln. Emely prüft am zweiten Eimer, ob sich darin ein Tier befindet. Ihre Hand ertastet nur Blätter und Erde. "Die Blätter sind wichtig, damit die Frösche nicht austrocknen", erklärt die Zehnjährige, die sich mit ihrer gleichaltrigen Mitschülerin Eimer für Eimer vorwärts arbeitet. Schließlich habe es dieses Jahr auch schon richtig warme Tage gegeben. Darüber wissen die Grundschüler nicht zuletzt so genau bescheid, weil sie in der Schule eine Tafel führen. Dort schreiben sie auf, wie viele Frösche sie über die Straße getragen haben und wie das Wetter war. Vorher werfen sie noch einen Blick aufs Thermometer.

"Hier ist einer", ruft Emely und hebt die kleine Kröte heraus. Sie setzt sie in Cassandras Eimer. Die Schülerin der Klasse 4a hat ein Auge darauf, dass der Frosch nicht probiert, aus ihrem Eimer zu entwischen. "Das versuchen sie nämlich manchmal."

Der Rekord liegt derzeit bei 72 Tieren an einem Tag. "Da kommt man auch mal zu spät in den Unterricht", erklärt Emely. Aber die Lehrer wüssten ja, wo sie seien. Seitdem die Witterung wieder kühler geworden ist, sind es weniger Tiere, die dem Pfannenberger Teich zustreben. Heute bleibt es bei dem einen, den Emely und Cassandra nahe am Durchlass gefunden haben.

Zusätzlich zum kleinen Zaun warnen Verkehrsschilder auf beiden Seiten des Pfannenberger Teiches vor der Krötenwanderung auf der Fahrbahn. Außerdem ist die Geschwindigkeit von 80 km/h auf 30 km/h heruntergesetzt.

Cassandra und Emely überqueren gemeinsam mit Torsten Fuchs die Straße. Emely geht vorsichtig ans Ufer des Pfannenberger Teiches und setzt ihren Schützling im Schilf aus.

"Ich habe mich gleich gemeldet", berichtet Cassandra. Auch Emely wollte sofort an dem Froschprojekt mitmachen, als es den Viertklässlern mitgeteilt wurde. Dass sie Frösche und Kröten anfassen müssen, hat die Mädchen dabei nicht abgeschreckt. "Wir wussten ja, dass wir das mit Handschuhen machen."

Dass die Viertklässler, die sich am Froschprojekt beteiligten, im vergangenen Jahr eine Urkunde erhielten, haben die Mädchen noch gut in Erinnerung und würden sich natürlich freuen, wenn auch die Schüler dieses Jahr für ihre Hilfe beim Übersetzen eine Urkunde bekämen.

In der nächsten Woche, wenn die Schüler Osterferien haben, übernimmt der Hort die Aufgabe und setzt die Tiere täglich über die Straße.

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