Der Pegelstand der Elbe ist erstmals wieder um ein paar Zentimeter gesunken. Doch ein Grund zum Aufatmen ist das noch nicht. Es wird lange Zeit dauern, ehe die Wassermassen gänzlich verschwunden sind. Und selbst dann bleibt der Schaden zurück. Zahlreiche Hausbesitzer haben enorme Wasserschäden zu beklagen.

Ronney. Es fehlen nur noch 30 Zentimeter, dann dringt das Hochwasser durch die Fenster des Hauses der Familie Kühn aus Walternienburg. Eigentlich leben sie an und mit der Nuthe. Aber normalerweise liegen da auch noch gut 20 Meter dazwischen. Seit Dienstag ist dies nicht mehr der Fall. Das Wasser reicht bis zur Hauswand. Den Heizkessel mussten sie bereits abklemmen, den Stromzähler verrücken und Sandsäcke entlang der Hausfront sollen Schlimmeres vermeiden. Der Schaden, den das Hochwasser zurücklassen wird, ist noch nicht absehbar.

Hochwasser auch in Kämeritz

Ähnlich ergeht es Bernd Hellmuth. Der Kämeritzer wohnt am so genannten Kämeritzer Haupt-Graben. "Tritt die Nuthe über, läuft das Wasser in den Graben", erzählt er. Und wenn die Kapazitäten des Grabens erschöpft sind, habe er das Wasser im Haus. Das sei seit September des vergangenen Jahres schon fünf Mal der Fall gewesen, erzählt er.

Bernd Hellmuth ist inzwischen echt sauer. Schuld an dem Überfüllten Graben sei die schlechte Unterhaltung der Nuthe, schimpft er. "Früher konnten wir in dem Fluss sogar baden gehen. Das können wir heute nicht mehr. Man versinkt knietief im Schlamm. Er wird doch nichts mehr gemacht." Hellmuth erzählt, er habe wegen dieses Problems sogar den Landkreis angeschrieben und eine Petition geschickt. Vergebens. "Bis heute rührte sich nichts."

Mit dem Hochwasser zu kämpfen haben auch Ute und Burghardt Gerth. Der Tierliebe wegen trotzen sie den Fluten und harren weiterhin im überfluteten Ronney aus. Erst wenn der Pegel die Sieben-Meter-Marke geknackt hat, streichen auch sie die Segel. Doch den Prognosen zufolge wird dies wohl nicht passieren. Der Scheitelpunkt wurde gestern erreicht. Der höchste Messwert in Ronney lag bei 6,75 Meter.

Während Familie Gerth vom Hochwasser eingeschlossen in Ronney ausharrt, flüchtete Ramona Schmidt Hoboy, Leiterin des Umweltzentrums, bereits am Montag aus dem Ort. Die wichtigsten Maßnahmen zur Schadensbegrenzung konnte sie jedoch noch durchführen. "Wir haben das Inventar in Sicherheit gebracht, die Holzstühle weggeschlossen, den Keller ausgeräumt und sogar die Post umbestellt", berichtet sie. Außerordentlich große Sorgen macht sich Ramona Schmidt Hoboy derzeit nicht. "Die Elbe und so auch das Hochwasser gehören nunmal dazu. Und inzwischen wissen wir, was zu tun ist."

Ein erstes Gespräch mit Ute und Burghardt Gerth, die im Zentrum nach dem Rechten schauten, ergab, dass bisher kein Wasser in die Zimmer gelaufen ist. Eine gute Nachricht angesichts der sinkenden Pegelstände.

Doch während der Wasserpegel sinkt, steigt zumindest die Sorge um die Folgeschäden. Ramona Schmidt Hoboy hofft, schnell wieder dem Tagesgeschäft nachgehen zu können. Das geplante Obstbaumschnittseminar am 29. Januar müsse aber aller Wahrscheinlichkeit nach ausfallen, vermutet sie. Und ob die Winterwanderung am 30. Januar stattfinden wird, ist unklar.

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