Mit Texten von Siegfried Lenz und musikalischen Improvisationen am Cello ist am vergangenen Sonntag die neu ins Leben gerufene Kulturreihe "Zeppernicker Sommerkirche" erfolgreich fortgesetzt worden.

Zeddenick l Es mag den Zuschauer und -hörer doch etwas verwundern, wenn er sich zwecks Kulturgenuss in die Zeppernicker Sommerkirche begibt, und dort feststellten muss, dass sich die zwei angekündigten Künstler hier und heute offenbar zum ersten Male begegnen, ja - sich gar erst noch einmal den Namen des jeweils anderen buchstabieren lassen müssen ... J E N S N A U M I L K A T und H A N N E S U R M O N E I T. Ja, wie wollen die sich denn auf das Programm "So zärtlich war Suleyken - die fröhliche Art, ein wunderbares Land und seine Leute vorzustellen" vorbereitet haben?

Wurzeln in Ostpreußen

Es geht um das Land Ostpreußen. Und die wohl beste Art, sich auf einen Kulturnachmittag zum Thema Ostpreußen vorzubereiten, dürfte wohl sein, dort zur Welt gekommen zu sein. Oder vielleicht auch, Siegfried Lenz` Werk "So zärtlich war Suleyken" gelesen zu haben. Hannes Urmoneit ist 80 Jahre alt und kann beides für sich in Anspruch nehmen. Der Magdeburger Propst im Ruhestand vermochte denn auch, die Texte von Lenz in dem typischen melodiösen Sprachstil vorzutragen, welcher den Ostpreußen eigen ist.

Der in Zeppernick lebende Autor Ludwig Schumann, der die Zeppernicker Sommerkirche mit organisiert, stellte dem vortragenden Urmoneit einen Musiker zur Seite, bei dem er sicher sein konnte, dass auch der "ostpreußisch" kann: Der Cellist Jens Naumilkat hatte für einen vielbeachteten ZDF-Dreiteiler über Ostpreußen die Musik beigesteuert. Und: Auch seine familiären Wurzeln reichen nach Ostpreußen.

Das erste Stück des Nachmittages entstammte besagter Filmdokumentation, und auch ohne den Titel "Lied der Weite" zu kennen, führten Klang und Stimmung des Saiteninstrumentes schnell in die Weite jenes Landes ein. Naumilkat überließ den weiteren Verlauf des Nachmittages seinem Gespür für den richtigen Ton zur richtigen Zeit, und so gab es an geeigneter Stelle auch eine hervorragende Improvisation zu "Ännchen von Tharau".

Den Nerv getroffen

"Wir wussten beide nicht, was da heute auf uns zukommt", gestanden Naumilkat und Urmoneit ein." Aber beide trafen den Nerv des Publikums. Manch einer der Gäste in der fast vollbesetzten Dorfkirche hatte ebenfalls eine Beziehung Ostpreußen. Es wurde geschmunzelt und gelauscht, bei den Geschichten über die Bewohner des Ortes Suleyken. Siegfried Lenz lässt in den kurzen Geschichten ein Ostpreußen entstehen, das beim Leser und Zuhörer ein Idealbild aufkommen lässt.

Hannes Urmoneit verstand es dabei glänzend, den einfachen, teils verschachtelt erzählenden Stil von Siegfried Lenz aufzugreifen.

Über eine Fortsetzung oder die Wiederholung des Programmes an anderer Stelle wurde am Sonntag nichts bekannt. Es könnte also durchaus doppelt zutreffen, dass die Besucher der Zeppernicker Sommerkirche an diesem Nachmittag eine einmalige Veranstaltung erlebt haben.

 

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