Spurensuche im alten Zerbst

Eckhard Vogel aus Frankfurt/Main hat tiefe familiäre Wurzeln in Zerbst. Er sucht seit drei Jahren intensiv nach Fotos von der Brauerei Pfannenberg samt Wohnhaus vor und nach der Zerstörung 1945. Darüber hat er bereits auch im Zerbster Heimatkalender berichtet.

Er würde sich über jeden Bericht von Zerbster Bürgern freuen, die sich an Gegebenheiten erinnern, die mit der bekannten einstigen Zerbster Brauerei Pfannenberg zu tun hatten. Mit diesem Wunsch hat er sich an die Redaktion der "Zerbster Volksstimme" gewandt. Wer Eckhard Vogel bei seiner Spurensuche im alten Zerbst helfen kann, wendet sich an ihn unter Telefon 069/59 79 07 26 oder per Email an: eckvogel@web.de.

Zerbst l 200 Jahre lang, von 1715 bis 1915, gab es in Zerbst die Tuchmacherfamilie Vogel. Eckhard Vogel, Urenkel der letzten Tuchmacher-Familie am Markt, bekam vor gut 25 Jahren von seiner Tante ein Foto von einem Haus auf dem Zerbster Markt überreicht, das seinem Urgroßvater gehörte: Ein dreistöckiges Haus mit einer Rennaissancefassade. Vor etwa drei Jahren packte ihn die Leidenschaft, die alten Familienbeziehungen freizulegen. So kam er nach Zerbst.

"Ich hatte das Foto sorgfältig aufbewahrt. Aber es brauchte u¨ber 20 Jahren, bis ich aus Frankfurt im März 2011 und mein Bruder Burkhard aus Kiel im Auto nach Zerbst fuhren, um nach diesem Haus zu suchen. Damals wusste ich nicht, dass Zerbst im April 1945 weitgehend zerstört worden war und dass davon auch dieses Haus betroffen sein könnte. Ich hatte keine Ahnung, wo ich das Haus in Zerbst suchen sollte. Auf dem Foto waren rechts und links zwar Seitenmauern von Nachbarhäusern zu sehen, ohne dass die Gebäude aber genau zu erkennen waren", erzählt Vogel von den Anfängen seiner Forschungen.

"Zum Glu¨ck und ganz zufällig trafen wir in Zerbst auf eine freundliche Helferin, die zwar das Vogelsche Haus nicht kannte, sich in Zerbst aber gut auskannte: Jeanette Markmann von der Nuthaschen Mu¨hle. Die Nuthasche Mu¨hle hatten wir auf unserer Autofahrt nach Zerbst deshalb aufgesucht, weil hier eine Großtante von uns nach ihrer Heirat 1921 mit dem Mu¨hlenbesitzer Fritz Bohne gelebt hatte." Heute lebt dort Jeanette Markmann. "Sie fu¨hrte uns in die Bibliothek im Francisceum, wo wir in alten Adressbu¨chern die Adresse von Friedrich Vogel suchten und auch fanden: Das Tuchmachergeschäft Vogel hatte am Markt 28 gestanden." Im Heimatmuseum in der Postkartensammlung fanden die Brüder dann ein Foto, auf dem auch die beiden Nachbargebäude vollständig zu erkennen waren: Das Haus seines Urgroßvaters hatte direkt neben dem Apostelhaus, der "Deutschen Schenke", gestanden. Am 16. April 1945 war es zusammen mit diesem vollständig zerstört worden.

"Jeanette Markmann fu¨hrte uns ins Kirchenarchiv der Trinitatiskirche, wo wir den Taufeintrag meines Urgroßvaters fanden: 28. Juni 1837. Sie arrangierte außerdem ein Treffen mit Helmut Hehne, den wir als Experten fu¨r die Zerbster Stadtgeschichte kennenlernen durften und der uns wichtige Hinweise gab." Diese Erfolgsgeschichte der Recherche an einem einzigen Tag brachte Eckhard Vogel dazu, sich danach intensiver mit seiner Zerbster Familiengeschichte zu beschäftigen. Sie fu¨hrte inzwischen zu elf weiteren Zerbstbesuchen und hatte ein u¨berraschendes Ergebnis. "Vier meiner acht Urgroßeltern stammen aus Zerbst: Tuchmachermeister Vogel am Markt, Schneidermeister Steinhausen, Brauereibesitzer Pfannenberg in der Breiten Straße und Bankier Gerisch am Hoheholzmarkt. Am bekanntesten sind sicher meine Pfannenberg-Vorfahren. Mein Urgroßvater Ernst Pfannenberg war einer der beiden Brauereibesitzersöhne der Brauerei Lorenz Pfannenberg-Söhne in der Breiten Straße 32 und hat 1889 für seine Familie das nach der Wende als ,Villa Kunst und Musik` genutze Gebäude bauen lassen. Meine Großmutter ist in dieser Villa geboren."

Und nirgendwo sonst reichen die Wurzeln der Frankfurter Familie Vogel weiter zuru¨ck als in Zerbst. "Inzwischen kenne ich auch die fru¨hesten Zerbster Vorfahren meiner Familie Vogel: Vor 300 Jahren, am 20. August 1715, heiratete der aus Calbe stammende Tuchmacher Johann Georg Vogel die Tuchmacherwitwe Maria Elisabeth Steinkopf in der Ankuhner Marienkirche."

Vogels Recherchen u¨ber seine Zerbster Familienwurzeln brachten es auch mit sich, dass er auf bisher unbekannte Familienangehörigen stieß. Am 14. April 2013 kam es zu einem Familientreffen auf den Elbterrassen von Brambach. "Die fröhliche und angeregte Begegnung zeigte, dass meine weit zuru¨ckreichenden Zerbster Familienwurzeln nicht nur eine schöne Vorstellung u¨ber die Vergangenheit sind, sondern auch lebendige Wirklichkeit. Ich hatte zwar nicht mehr das gesuchte Haus angetroffen, dafu¨r aber freundliche Zerbster, mit denen ich u¨ber meine Urgroßeltern verwandt war."

   

Bilder