Vier Tage dauerte die Chorreise der Zerbster Kantorei Mitte Juli nach Polen. Es ist die fünfte mehrtägige Auslandsreise gewesen.

Zerbst l "Neben unseren 35 Chormitgliedern sind zwölf Freunde unserer Kantorei mitgefahren", erzählt Kantor Tobias Eger. Im Inland ist das Ensemble zu Chorreisen auch oft unterwegs, meist mit einer Übernachtung und natürlich, so Tobias Eger, "immer verbunden mit Auftritten".

Für den Leiter der Kantorei haben solche Fahrten eine große Bedeutung, weil sie ein besonderes Erleben in der Gemeinschaft bieten, weil auch einmal an ganz anderen, oft sehr bedeutenden Orten gesungen werden kann. Und er sei sehr stolz, dass die Mitglieder der Kantorei, im Alter von 18 bis über 80, die sozial ganz breit gemischt sind, sehr gut miteinander harmonieren. Außerdem gebe es immer viele Gespräche und interessante Begegnungen. "Es ist einfach sehr schön", bringt er es auf den Punkt.

Hervorheben möchte Tobias Eger die durchweg freundliche Aufnahme in Polen. Auch diese Reise mit Ziel Breslau war durch geplante Chorauftritte geprägt. In Vorbereitung der Fahrt wurden aus dem gesamten Repertoire 15 Lieder ausgewählt und noch einmal extra geprobt. "Jedes Mitglied ist dann für seine notwendigen Programmunterlagen selbst verantwortlich", erklärt Tobias Eger. Auch "vor Ort" setzt er noch mehr oder weniger lange Proben an: "Es muss ja gut klappen."

Eine große Chor-Aufgabe hatte die Kantorei bereits am Freitag zu erfüllen. In der katholischen Kirche "St. Karl Boromaeus" zu Breslau hat sie mit zwei Gesangsblöcken zu je sechs Liedern in der "verbum cum musica"-Veranstaltung künstlerisch begleitend den Festvortrag eingerahmt.

Spontaner Gesang erklingt in den besuchten Kirchen

Am Sonntag wirkte die Kantorei am Gottesdienst der evangelisch-lutherischen Hofkirche in Breslau mit. Hier hatte der mitgereiste Pfarrer im Ruhestand Heinz Lischke, Initiator der ersten Polenreise im Jahre 2002, eine ganz besondere Erinnerung. Er berichtete den Chormitgliedern, dass er an der Hand seiner Großmutter in eben dieser Kirche vor Jahrzehnten seinen überhaupt ersten Kirchenbesuch erlebte.

Wie schon bei anderen Reisen nutzte die Kantorei bei Kirchenbesichtigungen die Chance, dort spontan singen zu dürfen, "auch wenn es manchmal nur ein Lied ist", freut sich Tobias Eger und mit ihm seine Sängerinnen und Sänger.

Am dritten Tag mit der "Tourismus-Einlage" ins Riesengebirge, gewissermaßen zum besseren Kennenlernen von Land und Leuten in einer Gegend mit bewegter Geschichte, gab es auch zum außerplanmäßigen Singen Gelegenheiten. "Mit dem Besuch der mittelalterlichen norwegischen Holzstabkirche in Bückenburg bei Krummhübel sowie der Friedenskirche ,Zur heiligen Dreifaltigkeit` in Schneidnitz, die 2001 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, lernten wir zwei auch über die Ländergrenzen hinaus bedeutsame Kirchen und deren Geschichte kennen", berichtet Kantor Eger.

Neues kennenlernen und selbst erleben war übrigens schon auf der Hinreise eingeplant. Bei einem längeren Görlitz-Zwischenstopp war auf der vorher bestellten Stadtführung auch die "St. Peter und Paul Kirche" eine Station.

Insbesondere stand die restaurierte historische Sonnenorgel mit einmaligen Prospekten in Ringform im Mittelpunkt des Staunens.

Stadtführung durch Breslau rundet Reise ab

Eine Stadtführung gab es auch in Breslau. Insbesondere die Chormitglieder , die schon in der Adventzeit 2002 bei der Aufführung der "Brieger Christnacht" für Chor, Einzelstimme und Orgel aus dem Jahr 1944 von Max Drischner (1891-1971) in Breslau dabei waren, konnten die positiven Veränderungen in der Stadtgestaltung spüren.

Die Heimfahrt am Sonntag dauerte etwa sechs Stunden. Ein ganz besonderer Dank der Kantorei gebührt den beiden Busfahrern, die sehr aufmerksam und umsichtig agierten.