Alle fünf Jahre fordert das Wassergesetz des Landes ein neues Konzept zur Abwasserbeseitigung. Die Stadt Zerbst ist verantwortlich für die Niederschlagsentwässerung. Wie es um die steht, erklärte Dietmar Habelmann den Mitgliedern des Bauausschusses.

Von Franziska Ellrich

Zerbst l Das Zerbster Straßennetz ist 90 Kilometer lang - an 38 Kilometer davon verlaufen Regenwasserkanäle. "Ein Großteil davon ist gereinigt", erklärte Dietmar Habelmann vom Bauamt auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Neben 30 Kilometern Kanal seien auch die Einlaufbauwerke gereinigt wurden. 62 gibt es davon im gesamten Stadtgebiet. Die Reinigung habe die Stadt nicht im Alleingang bewältigen können. "Dazu fehlen uns das Material, wie zum Beispiel Spülgeräte", begründete Habelmann. Deswegen wurde die Heidewasser GmbH damit beauftragt.

In regelmäßigen Abständen informiert das Unternehmen über den Stand der Kanäle. "Gut 20 Prozent waren bisher stark verschmutzt", zitiert der Sachbearbeiter für Tiefbau das Ergebnis. Vier der acht Kilometer noch ausstehender Kanäle sollen noch in diesem Jahr gereinigt werden, der Rest im Jahr 2015.

Wenn dann alle Kanäle gereinigt und kontrolliert sind, schlägt Habelmann vor, ein Sanierungskonzept zu erstellen. "Dann wissen wir, was am dringlichsten ist", lautet seine Begründung. Denn: Neue Regenwasserkanäle seien auch eine Preisfrage. Bereits 2012 seien Kosten für eine nötige Sanierung von 3,2 Millionen errechnet wurden.

Da seien laut Habelmann keine Neubauten mit eingerechnet. Ehe solche Kanäle abgeschrieben sind, können 40 bis 60 Jahre vergehen. Ausschussvorsitzender Sebastian Siebert (SPD) dazu: "Wir müssen wirklich gucken, was wir uns leisten können und wollen."

Neubau bedeutet Auflagen

Für Helmut Seidler (FFZ) ist die Priorität klar: "Immer wieder sind Dinge wegen der finanziellen Lage verschoben wurden, das darf mit dem Problem Entwässerung nicht wieder passieren." Bei starkem Regen stehen Zerbsts Straßen regelmäßig unter Wasser. Auch die Straßen im Umland sind betroffen. Deswegen die Frage von Gernot Rosenauer (SPD) an den Bauamtsmitarbeiter: "Werden die Kanäle in Lindau auch gereinigt?" Das musste Habelmann vorerst verneinen.

"Aber die Mittel für die Kanalreinigung in den Ortschaften sind in den neuen Haushalt eingestellt." Der Kostenaufwand sei aufgrund der weiten Fahrstrecken höher. "Wir sollten aber nicht auf Verschleiß fahren", unterstrich Rosenauer die Notwendigkeit auch in den Zerbster Ortschaften.

Worüber im Ausschuss Einigkeit herrschte: Immer mehr Flächen, die zum Beispiel durch den Bau von Parkplätzen versiegelt werden, müssen an ein funktionierendes Regenwasserkanalsystem angeschlossen werden, um Überflutungsprobleme zu vermeiden. Warum das aber bei Starkregen trotzdem immer wieder passieren kann, erklärt Lutz Voßfeldt (FDP): In der Stadt gibt es Kanäle, deren Durchmesser sich immer weiter verkleinert. Dadurch entstehe ein Rückstau.

Der Zerbster Erwin Erbe ist Gast in der Ausschussitzung und kann nur den Kopf schütteln: "Früher haben wir so gebaut, dass der Durchmesser der Rohre sich nur vergrößern durfte." Niederschläge seien für Zerbst schon immer ein Problem gewesen.

"Aber 80 Prozent konnten durch die Nuthe und Gräben natürlich aufgefangen werden", erklärte Erbe.

Durch Überbauung sei dieses System fast zerstört. "Die vorhandenen Kanalsysteme sind nicht ausreichend." Das erkennt auch Habelmann. "In einigen Fällen wird uns nur ein Neubau bleiben - doch daran hängen Auflagen".