"Transformationen" heißt die Ausstellung, die die Zerbster Kulturaktion aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens gestaltet hat. Am Freitagabend wurde die Schau in der St. Nicolaikirche eröffnet.

Von Helmut Rohm

Zerbst l Mit der hereinbrechenden Dunkelheit leuchtet die Pyramide von innen auf, brennen Schwedenfeuer, erhalten weitere Objekte Licht. DJ Heinrich Lischka hat die passende Musik ausgewählt zur besonderen Atmosphäre dieses Abends in der Nicolaikirche.

Es ist die Geburtstagsfeier für die Zerbster Kulturaktion. Zu seinem 20-jährigen Bestehen hat der Verein sich und seinen Gästen eine Ausstellung geschenkt.

Vor einem Monat haben sich die Kulturaktions-Mitglieder hier noch zum Arbeiten zusammengefunden, ihre inzwischen 19. Kreativtage in St. Nicolai veranstaltet. Hier wurden viele der jetzt in der Ausstellung zu sehenden Skulpturen geschaffen. "Wir zeigen hier im Prinzip Dinge, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind", sagt Vereinsvorsitzende Steffi Heger. Skulpturen, aber auch die Fotografien von den Ronneyer Kreativtagen 2010, als die Kulturaktivisten ganz persönliche Transformationen vorgenommen haben.

Die Fotos dieser Verwandlungen hängen jetzt an den Baugerüsten vor den Kirchenmauern, im Kirchenraum verteilt stehen die Plastiken verschiedener Größe, in der Empore zwischen den Türmen "berichten" Videos aus der Vereinsgeschichte, die umfangreiche Chronik wird noch ein paar Tage in der Ausstellung ausliegen bleiben.

Nach der musikalischen Eröffnung der Band "The Typewriter" vom Dessauer Walter-Gropius-Gymnasium, die von der aus Zerbst stammenden Lehrerin Petra Scherkenbach betreut wird, sorgt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) für eine Schrecksekunde am Vernissage-Abend.

Um die Laudatio zum Kulturaktions-Jubiläum gebeten, sagt er, dass "ich noch vor einer Stunde überlegt habe, ob ich herkomme". Grund ist die (nicht ganz aktuelle) Vereins-Homepage. "Die Kulturaktion will dem tristen Grau dieser Stadt auf die Sprünge helfen und neue Farbtupfer setzen", heißt es dort. "Das gilt heute so nicht mehr", sagt Steffi Heger später zur Formulierung mit dem "tristen Grau", die den Bürgermeister stört. Ebenso wünscht er sich, dass nicht von "dieser", sondern von "unserer" Stadt gesprochen werde.

In der stehe "die Kulturaktion seit 20 Jahren dafür, mit einer gewissen Subversivität, die Kultur und Kunst innewohnt, tatsächlich für Aufregung zu sorgen", wie auch für ein hohes Maß an Identifizierung mit der Stadt. Und: "Mehr Farbe kann man immer vertragen."

Der Bürgermeister und dann in ihrer kleinen Rede auch Steffi Heger erinnern an die vielen Aktivitäten aus 20 Jahren Kulturaktion. Von der Performance im Schloss über die Aktion "Anhaltendes Frühstück", Kulturfesttage-Beiträge wie der zum Schriftsteller Manfred Bieler, über Filmtage, Ausstellungen, bis auch zum gescheiterten Versuch, die Zerbster Kulturfesttage in das Frühjahr zu verlegen...

"Unser Hauptanliegen waren und sind unsere jährlich stattfindenden Kreativtage", erklärt Steffi Heger. "Es geht nicht darum, zu diskutieren, ist das Kunst oder kann das weg. Es geht darum, selbst aktiv zu werden, eigene Ideen umzusetzen und sich zu trauen."

Was entstanden ist, ist jetzt in der Nicolaikirche zu sehen und will einladen, "neue Sichtweisen zu entdecken und vielleicht eigene Schranken über Bord zu werfen".

Die Ausstellung wird noch bis zum 5. November in der Nicolaikirche gezeigt.

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