Seelisch behinderte Menschen erhalten seit nunmehr zehn Jahren Hilfe in der sozialtherapeutischen Tagesstätte der Diakonie. Ziel ist es, dass die betreuten Frauen und Männer so lange wie möglich eigenständig leben können.

Zerbst l Ein Stück Geborgenheit sowie wertvolle Unterstützung bietet der rote Klinkerbau auf der Schloßfreiheit chronisch psychisch kranken Frauen und Männern. "Es handelt sich um ein teilstationäres Angebot im Rahmen einer sozialen Rehabilitation", erläutert Ingo Gensch. Er leitet die am 1. September 2004 eröffnete Einrichtung für Menschen mit seelischer Behinderung, die in Zerbst und Roßlau vertreten ist. "Träger ist das Diakonische Werk im Kirchenkreis Zerbst", ergänzt er.

An beiden Standorten werden im Schnitt 15 Klienten sozialtherapeutisch betreut. Es handelt sich um Erwachsene, deren seelische Störung eine wesentliche Einschränkung ihrer Teilhabe an der Gesellschaft mit sich bringt. Sie leiden beispielsweise an Depressionen, Schizophrenie oder Verhaltensanpassungsstörungen. Aufgrund ihrer Erkrankung gehen sie momentan keiner Erwerbstätigkeit nach, erhalten eine Grundsicherung oder Rente.

"Viele Angehörige psychisch Kranker wenden sich leider von ihnen ab", erzählt Ingo Gensch von der Gefahr zu vereinsamen. Hier springt die Tagesstätte als wichtiger Anker ein, als Anlaufpunkt, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Vor allem aber soll ihnen Anleitung, Beratung und Hilfe bei der Bewältigung des Alltags sowie ihrer persönlichen Lebensgestaltung gegeben werden. "Unser Ziel ist die Aufrechterhaltung ihrer selbständigen Lebensführung, dass sie weiterhin in ihrer eigenen Häuslichkeit leben können."

Montags bis freitags können die Frauen und Männer immer zwischen 8 und 14 Uhr in der Tagesstätte vorbeischauen. Dort stehen ihnen Heilerziehungspfleger, Erzieher, Sozialassistenten, Ergotherapeuthen und Sozialpädagogen zur Seite. Vier Kollegen seien stets vor Ort, berichtet der Leiter vom Pendeln der insgesamt sieben Mitarbeiter zwischen Zerbst und Roßlau. Zum Team gehören ebenfalls Bürgerarbeiter, Praktikanten und Bundesfreiwilligendienstleistende.

Der strukturierte Tag in der Einrichtung startet mit einem gemeinsamen Frühstück. "Dort kann jeder seine Befindlichkeiten äußern und bei Bedarf individuelle Hilfe bekommen", erzählt Ingo Gensch. Danach werden vielfältige sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Das Spektrum reicht vom Basteln über das wöchentliche Schwimmen bis hin zur Arbeit im Garten der Tagesstätte. Das dort geerntete Obst und Gemüse findet in der Küche Verwendung. "Das Mittagessen wird täglich frisch gekocht", erklärt Gensch. "Die Frauen und Männer sollen lernen, sich selbst zu versorgen. Viele haben das verlernt." Bei der Zubereitung eines Gerichtes eignen sie sich nicht nur hauswirtschaftliche Fertigkeiten an, sondern trainieren ebenfalls das Einkaufen.

"Wir machen auch regelmäßig Ausflüge", berichtet der Einrichtungsleiter unter anderem von Fahrten ins Kino und Theater. Abstecher beispielsweise zum Zerbster Heimatfest zählen ebenfalls dazu. Einmal jährlich steht außerdem eine Freizeit auf dem Programm. "Wir versuchen, uns ins gesellschaftliche Leben zu mischen", beschreibt Ingo Gensch die Wiedereingliederungsmaßnahmen.

Einen zeitlich begrenzten Rahmen zum Besuch der Tagesstätte gibt es nicht. "Die Frauen und Männer können so lange zu uns kommen, wie Hilfe benötigt wird."

Finanziert wird die Einrichtung vom Ministerium für Gesundheit und Soziales.

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