Zerbst l Die Bäume an den Straßen im Zerbster Umland zeigen momentan nicht nur ihr schönes Blätterkleid, viele von ihnen tragen zudem zahlreiche Früchte. Vor allem Äpfel und Birnen, aber auch Pflaumen sind zu sehen. Aber darf Jeder diese Früchte pflücken? "Rein rechtlich gesehen wäre das Diebstahl", sagt Ute Petzoldt-Sanjang, Leiterin der Kreisstraßenmeisterei.

Da die Früchte anderweitig aber keine Verwendung finden, sei es in Ordnung, wenn die Bürger anhalten und sie mitnehmen. "Wichtig ist, dass die Bäume dabei nicht beschädigt werden." Das bedeutet: keine Äste abschneiden oder -reißen.

Ein einfacher Anruf bei der Kreisstraßenmeisterei kann außerdem vor viel Ärger schützen. "Wir notieren das dann und können das an die Polizei weitergeben, wenn nötig", sagt Ute Petzoldt-Sanjang. Denn da die Obst-Mitnahme eigentlich Diebstahl ist, kann es sein, dass die Polizei die Bürger anspricht. "Bisher haben wir aber nicht viele Anfragen bekommen." Sie beobachtet aber viele Menschen, die sich ihre Portion Obst abpflücken. "Das geschieht alles auf eigene Gefahr der Leute", sagt die Leiterin weiter.

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat allerdings keinen Überblick, wo welche Obstbäume stehen. Es gibt kein Baumkataster. "Früher wurden die Bäume an den Straßen verpachtet", erklärt Ute Petzoldt-Sanjang. Das sei inzwischen aber nicht mehr so. Auch die Stadt Zerbst hat Obstbäume in ihrem Bestand. Nach Aussage der Stadtverwaltung gilt hier die gleiche Verfahrensweise wie beim Kreis Anhalt-Bitterfeld. Der Ansprechpartner wäre hier das Grünflächenamt der Stadt Zerbst.

Wo der Kreis eher dankbar für die Obst-Diebe ist, ärgert sich Ulrich Wichmann regelmäßig. "Jeder geht dahin und wildert", sagt er. Mit seiner Baumschule versorgt er auch die Kreisstraßen mit schönen Obstbäumen. "Wir haben uns darum gekümmert und jetzt ernten die Leute da", so Wichmann weiter. Besonders ärgerlich findet er, dass die Menschen keinen Respekt vor den Bäumen mehr hätten. "Es wäre besser, wenn das vernünftig geregelt wäre."

Seine Idee: Patenschaften für Straßenkilometer anbieten. "Da könnte man ja mal drüber nachdenken", sagt Ute Petzoldt-Sanjang dazu. Allerdings bedeuten Patenschaften auch zusätzlichen Verwaltungsaufwand.