In einer Wohnung im Plattenbau am Weinberg 4 brannte es vorgestern. Die Feuerwehr konnte den Brand unter Kontrolle bringen, allerdings mussten alle Wohnungen darüber und darunter evakuiert werden. Fünf Personen werden für eine Weile umquartiert.

Zerbst l Am Donnerstagvormittag trifft der Fensterbauer Michael Buchholz aus Köthen im Flur des Plattenbaus am Weinberg 4 eine aufgeregte Bewohnerin. "Sie sagte, sie könne nicht in ihre Wohnung zurück. Als ich nachsah, wusste ich, was sie meinte. Überall war Rauch." Er und seine Kollegen, die in der sanierungswürdigen Immobilie gerade neue Fenster einsetzen, alarmieren die Feuerwehr und bringen die Frau nach unten. "Wir haben noch in der Wohnung darüber und darunter an der Tür geklingelt und die Leute informiert", erzählt er weiter. Es sei schwer gewesen, sie zu überzeugen. Die meisten Bewohner sind hilfsbedürftig. Es sind Rentner mit Erkrankungen und sie werden je nach Schwere ihrer Beeinträchtigung einmal oder mehrfach am Tag von Hilfsdiensten und Pflegern besucht.

So wie Manfred Gauzer. Der Frührentner ist 60 und einer der jüngsten Bewohner des Hauses. Er wohnt ganz oben. "Als ich den Rauch wahrnahm, konnte ich schon nicht mehr hindurch. Ich bin in meine Wohnung zurück und habe vom Balkon geguckt. Was willst du sonst machen? Aber die Feuerwehr war schon da." Der Fahrstuhl sei ohnehin gerade defekt, fügt er an. Und "darf im Brandfall sowieso nicht benutzt werden", erläutert Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut später.

Alles geht ganz schnell. Die Kameraden holen Wasser aus dem naheliegenden Hydranten und löschen den Brand. Nach Volksstimme-Informationen soll eine Herdplatte Auslöser gewesen sein. Anschließend suchen die Kameraden mit einer Wärmebild-Kamera nach Glutnestern und messen die Temperaturen der Wände. "Nichts ist schlimmer, als wenn wir einen solchen Brandherd übersehen würden", sagt Dornblut. Insgesamt sind 48 Kameraden von den Wehren aus Zerbst (17 Kräfte/ 4 Fahrzeuge), Jütrichau (6/2), Deetz 13/2), Lindau (3/1) und Zernitz (8/2) und der Leitung von Holger Müller im Einsatz. Rund 50 Minuten, bis kurz nach 12 Uhr, dauert es, bis das Feuer als gelöscht gemeldet wird. Dann beginnen die Nacharbeiten. Zwei Beamte der Kriminalpolizei untersuchen den Brand nach Spuren einer Straftat, also Brandstiftung. Ein offizielles Ergebnis wird auch wegen des Feiertags Tage dauern.

Matthias Pelka, Mitarbeiter des Vermieters, der städtischen Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ) telefoniert währenddessen viel. Er bekommt Informationen, gibt sie weiter - aus dem Handy zur Polizei, von der Feuerwehr für den Anrufer.

"Die Wasserleitung ist geplatzt", weiß er zu berichten. Sie zu ersetzen, dauere mindestens eine Woche. Bewohnbar seien die Wohnungen so lang nicht. "Die Brandwohnung sowieso nicht. Dort ist alles voller Ruß. Die darunter hat sicher einen Wasserschaden. Über die darüber weiß ich es nicht genau." In jedem Fall seien die sechs Wohnungen übereinander ohne Strom und ohne Wasser und somit unbewohnbar.

Alle anderen Wohnungen werden gelüftet und die Bewohner können dorthin zurück. Auch Michael Buchholz arbeitet schon wieder.

Die evakuierten Bewohner sollen zunächst in die Wohnungen gebracht werden, welche die Stadt für Obdachlose bereithält. Stadtsprecherin Antje Rohm kann allerdings am Nachmittag Entwarnung geben: "Zwei können in jeweils eine Wohnung direkt in der Immobilie vorübergehend einziehen. Zwei kommen bei Bekannten unter. Die fünfte Person erholt sich im Krankenhaus und wird dann auch zu Bekannten kommen."

Einsatzleiter Müller ist mit dem Ablauf zufrieden, lobt die Kameraden und hält sich mit Verweis auf die Ermittlungen der Kriminalpolizei knapp in seinen Ausführungen. Für Stadtwehrleiter Dornblut steht fest: "Es wird Gespräche geben müssen." Vor allem über einen zweiten Rettungsweg. Schließlich brannte es in einer Wohnung auf der von der Straße abgelegenen Seite. Glücklicherweise haben die Kameraden alle Menschen über das Treppenhaus retten können. Dornblut zeigt auf zwei Stahlpoller. "Der Rettungsweg ist abgesperrt. Und wenn er es nicht wäre: Wir kämen mit unserem Hubsteiger hier nicht um die Kurve, um Personen zu retten." Auf die Frage, ob es vor diesem Hintergrund auch Glück war, dass niemandem etwas Ernstes passiert ist, antwortet Dornblut: "Ja."

   

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