Gekümmert wird sich erst, wenn es ernst wird. So dürfen sich zahlreiche wild lebende Katzen in Zerbst ohne Kontrolle vermehren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Fakt ist, dass sich die Zerbster strafbar machen, wenn sie die streunenden Vierbeiner füttern.

Zerbst l Wild lebende Katzen sind immer wieder Thema bei den Bürgern der Stadt Zerbst. So wurde das Ordnungsamt jüngst von dem Stadtseniorenbeirat gefragt, warum man diesen nicht einfach eine Fressstelle zur Verfügung stellen dürfe, wie Amtschefin Kerstin Gudella erzählt. Fakt ist: In der Gefahrenabwehrverordnung von Zerbst steht, dass wild lebende Katzen und Tauben nicht gefüttert werden dürfen. Von streunenden Katzen geht zwar keine Gefahr aus, allerdings kann aufgestelltes Futter andere, unerwünschte Gäste wie Ratten anlocken. Das will das Ordnungsamt verhindern.

"Das Problem ist noch nicht so massiv, dass mal etwas passiert."

Kerstin Gudella, Ordnungsamtsleiterin

Laut Tierheimleiterin Zdenka Meinhardt beißt sich dadurch allerdings die Katze selbst in den Schwanz. "Wenn wir hier feste Futterplätze hätten, könnten wir die Tiere nach und nach einfangen und kastrieren lassen." Dadurch könnte die Katzenpopulation in der Stadt kontrolliert werden. Denn wie viele wild lebende Katzen es in Zerbst gibt, weiß keiner. Zdenka Meinhardt schätzt aber, dass es mehrere hundert sein müssen.

Die Gefahrenabwehrverordnung soll im kommenden Jahr überarbeitet werden. Ob sich dabei am betreffenden Paragrafen etwas ändert, ist fraglich. "Es gibt immer wieder Brennpunkte, aber das Problem ist noch nicht so massiv, dass mal etwas passiert", sagt Kerstin Gudella. Entweder der Stadtrat oder die Verwaltung müssten das Thema auf die Agenda heben, erst danach könnte sich etwas ändern.

"Eine allgemeine Kastrationspflicht wie in vielen anderen Städten würde auch sehr helfen", erklärt Zdenka Meinhardt. Derzeit ist diese in 254 Städten und Gemeinden Deutschlands in der Kommunalverfassung festgesetzt. "Das ist letztendlich aber auch eine Kostenfrage, wir geben schon eine ganze Menge Geld für den Tierschutz aus", sagt Kerstin Gudella. Die Betreuung von Fundtieren ist Aufgabe des Ordnungsamtes. Da es sich aber nicht um alle herrenlosen Katzen und Hunde kümmern kann, hat die Stadt einen Vertrag mit dem Tierheim geschlossen. Das Team um Zdenka Meinhardt kümmert sich um die Tiere und bekommt im Gegenzug Geld von der Stadt. "Das Geld reicht aber nicht für die Arbeit, die wir hier machen", sagt sie. Das Tierheim ist auf Spenden angewiesen.

Die Kastration einer Katze kann bis zu 100 Euro kosten. Geld, das im Zweifelsfall auch auf die Personen zukommen würde, die eine Futterstelle für streunende Katzen errichten. "Das ist vielen Leuten gar nicht bewusst, aber wer eine Katze regelmäßig füttert, ist auch deren Eigentümer und somit verantwortlich", erklärt Kerstin Gudella. Eine Regelung gemeinsam mit Tierschutz und Ordnungsamt ließe sich aber sicherlich finden. Diesen Vorschlag hat die Ordnungsamtsleiterin auch den Senioren unterbreitet. Kontrollierte Futterstelle würde sich das dann nennen.

Bislang wurden im Jahr 2014 zwei Fälle angezeigt, in denen ein Bürger wild lebende Katzen gefüttert hat. Seit Februar kostet der Verstoß gegen die Gefahrenabwehrverordnung keine Strafgebühren mehr. Viele Bürger sehen aus Angst davor aber davon ab. "Wir sind da sehr machtlos, Katzen werden deshalb überall immer weggejagt", sagt Zdenka Meinhardt.

Sie ist allerdings froh, dass das Thema immer wieder in den Köpfen der Zerbster Platz findet. Um es zu lösen, braucht es allerdings gute Ideen. Denn aushungern, das funktioniert bei Katzen nicht. "Und sie vermehren sich so oder so. Auch oder vielleicht gerade wenn sie in einem schlechten Zustand sind", so Meinhardt. Deshalb landen Jahr für Jahr zahlreiche Katzenbabys im Tierheim. Irgendwann ist Schluss im Tierheim und die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Dann werden Menschen, die ein Tier abgeben wollen oder müssen, in die Tierheime der Umgebung geschickt.