Alle Erwartungen des Fördervereins übertroffen hat der Besucheransturm auf den Zerbster Wasserturm am Sonnabend. Der erst im September 2009 gegründete Verein hatte es geschafft, das 116 Jahre alte, prägende Baudenkmal in den Weizenbergen erstmals einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Firma Heidewasser stand unterstützend zur Seite. Bürgermeister Helmut Behrendt würdigte das Engagement des Vereins.

Zerbst. " Hey, guck mal hier !", " Erstaunlich !", " Unglaublich !", " Sehr, sehr interessant !" – die Urteile von Besuchern, die die erste öffentliche Öffnung des Zerbster Wasserturms an den Weizenbergen am Sonnabend miterlebten, gingen Sigrun Knäbel und ihren Mitstreitern des noch jungen, im September 2009 gegründeten Fördervereins runter wie Öl.

" Es war super, ich hätte eine solche Resonanz nicht erwartet ", war die Vereinsvorsitzende Sigrun Knäbel gestern noch " geplättet ". Noch am Freitag hatte sie Lampenfieber gedrückt : Was hatte sie sich aufgeladen ? Was würde sein, wenn kaum ein Besucher käme ?

" Bis gegen Dreiviertelsechs kamen immer noch Leute ", berichtete die Vorsitzende. Seit etwa 14 Uhr hatte es Führungen gegeben. Eine informative Ausstellung im Inneren des Turms gab Einblicke in die Geschichte des Bauwerks und die Zerbster Wasserversorgung. 17 Jahre hatte es gedauert, bis das Wasserwerk mit seinem imposanten Turm 1894 in Betrieb ging. Typhusfälle wegen der schlechten Wasserqualität waren damals der Auslöser für das Projekt gewesen. Dass es so lange gedauert hatte, lag daran, dass es erheblichen Widerstand gegen das Projekt gab.

Vor dem Verein, der am Sonnabend um acht auf nun 41 Mitglieder anwuchs, liegt jede Menge Arbeit. Spenden werden gesammelt, Sponsoren gesucht und Fördertöpfe angezapft, um in diesem Jahr den Fußboden und die Fensterverglasung im Turm, die Sanierung der Brunnenstuben in Angriff nehmen zu können.

Hauptaufgabe des Vereins, so Sigrun Knäbel sei die Sanierung des Turms. Die Kosten dafür müssten noch ermittelt werden. Sie dankte allen, die dem Verein bisher geholfen hätten.

Bürgermeister Helmut Behrendt ( FDP ) würdigte den Einsatz des Fördervereins für das für die Stadt Zerbst prägende Baudenkmal. " Jedes ehrenamtliche Engagement ist nicht hoch genug zu schätzen. Wir brauchen das. " Behrendt hofft, dass es gelingt, den Turm bald bis unters Dach begehbar sein wird. Er würdigte auch die Unterstützung durch die Firma Heidewasser, die am Wasserturm ihre zentrale Betriebsstätte errichten will.

Für deren Geschäftsführer Bernd Wienig ist die Unterstützung des Vereins selbstverständlich. Im Gebäude neben dem Turm soll der Verein im oberen Geschoss ein eigenes Zimmer erhalten. Wann das soweit sein wird, ist noch offen. Während das künftige Betriebshofgelände hinter dem Turm für den Ausbau vorbereitet ist, wollte sich Wienig zum weiteren Zeitplan nicht äußern.

Die Zerbster Volksstimme übergab Archivmaterial zum Zerbster Zwillingsturm in Lippstadt. Zum 100-jährigen Wasserturm-Jubiläum hatte die Zeitung am 27. Januar 1994 über die Rettung des Lippstädter Bruderturms berichtet.