Die Ortsfeuerwehr Zerbst hatte 2014 wieder allerhand zu tun. In ihrer Jahreshauptversammlung zogen die Kameraden ein Resümee und blickten auf anstehende Herausforderungen.

Zerbst l Bekanntermaßen können Feuerwehrmänner und -frauen nie über zu wenig Arbeit klagen. So auch nicht die Kameraden der Ortsfeuerwehr Zerbst. 130-mal rückten die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr aus. Zwar waren das 37 Einsätze weniger als noch 2013, Ortswehrleiter Steffen Schneider erklärt jedoch: "2013 hatten wir aufgrund eines Sturmes allein in einer Nacht zig Einsätze. 2014 hatten wir unwetterbedingt viel weniger zu tun." Angestiegen sind jedoch die Einsätze im Bereich der Großbrände, Kleinbrände und Türöffnungen. In einem Redebeitrag während der Jahreshauptversammlung ging Ortswehrleiter Steffen Schneider intensiv auf die Zahlen und Statistiken für 2014 ein:

Klein- und Großbrände

2014 rückte die Ortsfeuerwehr Zerbst 130-mal aus, 2013 167-mal. Von den 130 Einsätzen waren 78 Brände (Vorjahr 70). Die Feuerwehr teilt diese Brände in verschiedene Kategorien auf. So mussten sieben Großbrände (Vj. einer) gelöscht werden: eine Doppelhaushälfte in Eichholz, mehrere Brandstellen im ungenutzten Industriegelände Lehmkuhlenweg, ein Barackenbrand auf dem ehemaligen Flugplatz, zudem brannten ein Gehöft in Walternienburg, ein Nebengelass in Jürtichau und eine Strohscheune in Nutha. Oft wurden die Kameraden aus Zerbst von anderen Wehren dazugerufen, wie auch bei einem Dachstuhlbrand in Roßlau. "Unter Großbrände fallen die Brände, die mit nicht nur einem Schlauch gelöscht werden können und für die wir zum Beispiel den Hubsteiger brauchen", erklärt der Ortswehrleiter.

2014 wurden die Kameraden zudem zu 39 Kleinbränden (Vj. 29) gerufen. Dies sind oftmals Containerbrände oder Laubenbrände. Allen in Erinnerung blieb aber auch der Wohnungsbrand in einer seniorengerechten Wohnung am Weinberg, bilanziert Schneider. Auch an einen Brand, ausgelöst durch einen Geschirrspüler, kann er sich erinnern und mahnt: "Niemals das Haus verlassen, wenn elektrische Geräte in Betrieb sind."

Oft führten auch Fehlalarme dazu, dass die Feuerwehr ausrücken musste. 2014 kam das 32-mal vor (Vj. 38).

Technische Hilfeleistung

Von den 130 Einsätzen fallen 52 in den Bereich technische Hilfeleistung. Dazu gehören auch die Türöffnungen. Das waren 2014 24 (Vj. acht). "In dem Bereich der Türöffnungen gab es einen enormen Anstieg. Sicherlich hat das auch demografische Gründe, da oftmals die Wohnungstüren von Senioren geöffnet werden müssen. Aber es ist auch aufgefallen, dass Nachbarn aufmerksamer sind. So haben wir auch schon die Wohnung von jemanden geöffnet, der schlichtweg im Urlaub war, aber vergessen hatte, das Licht auszumachen", begründet Steffen Schneider.

Einmal sei auch die Tür aufgrund einer Suizidankündigung via Facebook geöffnet worden. "Das stellte sich glücklicherweise auch als ein Fehlalarm heraus", so Schneider.

"Bedauerlicherweise mussten wir auch mehrmals die Türen von Wohnungen öffnen, in denen dann eine Leiche gefunden wurde", schließt der Ortswehrleiter an. Einmal wurde die Wohnung eines Mannes geöffnet, für den jede Hilfe zu spät kam. "Es konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Der Hund des Mannes saß die ganze Zeit neben der Leiche. Ein Kamerad der Feuerwehr nahm diesen Hund nach Absprache mit der Familie des Mannes mit zu sich nach Hause", berichtet Steffen Schneider.

Einsätze aufgrund

von Unwetter

Achtmal rückten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst 2014 aufgrund von Unwetter aus. Der extreme Starkregen im August führte in einer Nacht allein zu sieben Einsätzen. "Es standen viele Keller und Straßen unter Wasser", erinnert sich Schneider. Ein weiteres Mal mussten die Feuerwehrmänner und -frauen aufgrund eines Sturmschadens in Wertlau ausrücken.

Verkehrsunfälle und mehr

Mit zwölf Verkehrsunfällen, beziehungsweise auslaufenden Flüssigkeiten wie Öl, mussten sich die Kameraden 2014 befassen.

In Erinnerung blieb allen sicherlich der Unfall, in den der Wirtschaftsminister des Landes, Hartmut Möllring, verwickelt war. "Glücklicherweise hat bei keinem bei uns registrierten Unfall jemand sein Leben verloren", so Schneider. Auch Klärschlamm, der an einem Sommertag 2014 großflächig in der Gartenstraße und auf der B 184 verteilt war, musste unter anderem beseitigt werden.

Einsatzzeiten und

Einsatzkräfte

Die Freiwillige Ortsfeuerwehr Zerbst verzeichnet 48 aktive Kameraden. Zusätzlich wohnen dem Verein zwei Alterskameraden und vier Ehrenkameraden bei.

Insgesamt gesehen waren bei allen Einsätzen im Jahr 2014 1822 Kameraden im Einsatz. Im Schnitt waren pro Einsatz 16 Ehrenamtliche zugegen. Durchschnittlich war jeder Kamerad 6632 Minuten im Einsatz, pro Einsatz etwa 51 Minuten.

Mit einer Rüstzeit von 12,38 Minuten ist Ortswehrleiter Steffen Schneider sehr zufrieden: "Zumal in die Statistik auch längere Anfahrtswege, wie beispielsweise nach Roßlau, einfließen."

Ein Ausblick und Pläne

für das Jahr 2015

Steffen Schneider hat sich zum Ziel genommen, noch schneller am Einsatzort zu sein. "Deswegen haben wir einige Anfragen an die Stadtverwaltung gestellt. Vielleicht kann man über manche Sachen mal sprechen", sagt er. Verbesserungspotenzial sehe er beispielsweise bei den Hallentoren. Eine automatische Schließung würde Zeit bringen, schlägt er vor. Im Bereich der Dessauer Straße, dort wo morgens und nachmittags aufgrund der Schulbusse kaum ein Durchkommen sei, sehe er ebenfalls Potenzial. "Vielleicht kann man die Haltestelle verlegen?", fragt er.

Auch sollen wieder regelmäßig Lehrgänge stattfinden. An dem Prinzip der wöchentlichen Dienstdurchführungen, zu denen interne Schulungen und Übungen stattfinden, soll festgehalten werden.

Die Freiwillige Feuerwehr will sich in diesem Jahr wieder am Bollenmarkt und dem Heimatfest beteiligen.

Auch ein Tag der offenen Tür wird es wieder geben. Wann, ist noch nicht abschließend geklärt.

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