Zehn Fischfreunde schwärmten gestern an Boner, Grimmer und Lindauer Nuthe aus, um 20000 kleine Meerforellen ins neue Wasserdomizil zu entlassen. Wie viele einst zurückkehren, ist frühestens 2017 auszumachen.

Zerbst l Vorsichtig schleicht Ulli Bösch den steilen Abstieg zur Boner Nuthe hinab. Beim dritten Aussetzpunkt holt er sich dann aber doch nasse Schuhe. Die Gummistiefel hat er unglücklicherweise am Auto stehen lassen. Mit zum Zweierteam gehört Willi Sarr, der seit seinem 15. Lebensjahr Angelfreund ist. Beide sind Mitglieder im Zerbster Angelverband und setzen nicht zum ersten Mal gemeinsam die quirligen Mini-Forellen ins neue Nass.

"Die Natur hat ihnen einen Frühstücksbeutel mitgegeben."

Willi Sarr, Angelverein Zerbst

Die nassen Schuhe zeugen von echtem Körpereinsatz für hunderte kleine Leben, die Bösch im Eimer in seiner Hand trägt. Die Meerforellen sollen in den Läufen des Flusses Nuthe heimisch werden. Insgesamt 20000 Stück wurden gestern von insgesamt zehn Helfern in Boner, Grimmer und Lindauer Nuthe ausgesetzt.

Zuvor hatte Steffen Zahn, seit 2009 Leiter der Aktion der Wiederansiedlung von der Binnenfischerei Potsdam-Sacrow, das Lebendmaterial in Umzugskartons und Plastetransportbeuteln am Treffpunkt verteilt. Frühestens 2017 gibt es ein Wiedersehen mit den heutigen Winzligen. "Wenn 20 bis 30 davon wiederkommen, ist das eine gute Quote", so Zahn.

Mit Kennerblick stellt Willi Sarr beim Blick in den Eimer fest, dass noch nicht alle Meerforellen ihren Dottersack komplett verloren haben. "Die Natur hat ihnen sozusagen einen Frühstücksbeutel mitgegeben, denn sie erst nach und nach verlieren. Erst danach sind sie schwimm- und fressfähig."

Der Schwung an Brutlingen stammt in diesem Jahr aus der brandenburgischen Prignitz von einer Aufzuchtfarm bei Putlitz. Je vier, fünf Schwerpunktstellen gibt es an den Nuthearmen, die zuvor ausgesucht wurden. Denn selbst Friedfische fressen die Brutlinge in diesem Größenstadium.

Dass sich der Einsatz lohnt und Aufschluss über die Wanderwege der Meerforellen gibt, bewies erst kürzlich ein Anruf eines norddänischen Fischers in der Potsdamer Binnenfischerei, der einen mit einer Marke versehenen Fische gefangen hatte. Diese sind mit Telefonnummer und Adresse ausgestattet.

"Faszinierend, wie solche kleinen Wesen irgendwann wieder ausgewachsen zurückkehren", staunt Angler Winfried Ebenhan. Der studierte Biologie wohnt direkt an der Nuthe und hat vor einiger Zeit selbst eine Laichstelle geschaffen, um zu beobachten, wie sich die Population der regelmäßig eingesetzten Meerforellen im Frühjahr und Lachsen im Herbst, in den Folgejahren entwickeln wird. "Am wichtigsten sind Versteckmöglichkeiten", erklärt Fachmann Zahn die zurzeit oberste Priorität. Von denen im Herbst 2013 eingesetzten Lachse sind einige Tiere zum Laichen in die Nuthe zurückkehrt, aber nicht alle schaffen anschließend wieder den Weg ins Meer. "Das ist aber keine bedenkliche Situation", beruhigt Zahn.

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