Steven Hübner ist Gymnasiast am Francisceum. Der 15-Jährige hat harte Monate hinter sich – mehrere Operationen am Oberschenkel waren nötig. Seit Montag besucht er den Unterricht wieder – und kommt bestens klar, weil vier Fachlehrer ihn zu Hause unterrichtet hatten. " Das hat mir echt geholfen ", freut sich der Neuntklässler.

Zerbst. " Vielen, vielen Dank an die Lehrerinnen und Lehrer. Sie haben meinem Sohn sehr geholfen, und ich finde, das war wirklich außergewöhnlich. " Peggy Hübner ist regelrecht gerührt über die enorme pädagogische Hilfestellung für ihren Sohn. Seit Januar besuchten ihn vier seiner Lehrer in ihren Freistunden zu Hause und erteilten Unterricht. Sie sorgten dafür, dass Steven nach vier Monaten Abwesenheit eine Chance hat, in das laufende Schuljahr – sein neuntes – zurückzufinden. Seit Montag geht der 15-Jährige wieder in die Schule. " Ich komme gut klar. Muss noch etliches abschreiben aus den Unterlagen meiner Mitschüler, damit ich den gesamten Stoff zusammenhabe. Aber das wird schon. "

Steven hat einiges durch. Im Oktober 2009 eine schlimme Diagnose : Hinter den Beschwerden im Oberschenkel steckt Knochenkrebs. Das ist die im Kindesalter am häufigsten vorkommende Krebsart. Eile und Spezialbehandlung waren angesagt. Termine in Halle, dann der Verweis an eine Klinik in Jena. Steven wurde dort zweimal operiert. Dem schloss sich die Genesung zu Hause an. Vor etwa drei Wochen konnte er zum ersten Mal wieder selbstständig ins Freie. Mit den Krücken die Treppe hinunter. Es hat sehr lange gedauert, aber alle freuten sich. " Er hat gute Chancen, diese Krankheit auf Dauer überwunden zu haben. Sagen die Ärzte ", so Mutter Peggy.

Schon vorher begann jedoch der Einzelunterricht. Klassenlehrerin Irene Puppe war wichtig, Walter Grabow genauso, Eveline Dreimann und Ute Rehda auch. " Wir haben Englisch, Deutsch, Mathe und Russisch gelernt. " Was war ihm selbst am Wichtigsten ? " Na Mathe. " Da ist Steven tatsächlich sehr gut, wie auf dem Halbjahreszeugnis, das er wegen seiner Abwesenheit erst in dieser Woche bekam, ausgewiesen ist. " Ich bin sonst eher ein mittelmäßiger Schüler, aber Mathe macht richtig Spaß ", erzählt Steven. Und dass er in den letzten Wochen mehr Lehrer als Kumpel zu Besuch hatte. " Das hat mir echt geholfen. Ich bin schon ganz gut wieder dabei in der Schule ", erzählte der allgemein sehr ruhige Schüler auf Nachfrage.

" Wir betrachten es als unsere Pflicht, in Fällen, wo es möglich ist, Einzelunterricht zumindest in den Hauptfächern auch außerhalb der Schule zu erteilen ", sagt Francisceums-Schulleiter Hans-Henning Messer. Zumeist würden in der Mobilität eingeschränkte Kinder dennoch versuchen, am Unterricht teilzunehmen. " In Fällen wie bei Steven jedoch, wo eine längere Krankheitsdauer absehbar war, schauen wir, wie das mit unserem Stundenfonds ist, ob die allgemeinen Umstände beim Schüler Unterricht ermöglichen und holen uns eine Genehmigung ein. Die Klassenlehrerin und auch die Fachlehrer kamen immer erfreut zurück und berichteten, Steven würde den Unterricht gern annehmen. Das freut uns dann natürlich auch ", so Messer.

Während Stevens Schulunterricht nun wieder in geordnete Bahnen zurückfindet, hat die Krankheit auf die Hobbys des Gymnasiasten schon noch Einfluss. Badminton und Dart hat er gern gespielt, als es noch ging. Aktuell geht da noch gar nichts – Termine beim Physiotherapeuten stehen an. " Aber dann mach ich da bestimmt auch weiter ", ist Steven zuversichtlich.