Günter Hartmann kann 2010 auf das 20-jährige Bestehen seiner Heizungs- und Sanitärfirma zurückblicken. Zugleich verabschiedet er sich mit dem Jubiläumsjahr in den Ruhestand. Am 31. Dezember schließt der dann 64-Jährige seinen Betrieb in Lindau.

Lindau. " Ruck zuck gehen 20 Jahre rum. " Lächelnd erinnert sich Günter Hartmann, wie am 2. April 1990 alles anfing. " Vom ehemaligen Kreisbaudirektor Helmut Seidler, unserem jetzigen Lindauer Bürgermeister, habe ich die Betriebsgenehmigung erhalten. " Das Papier in der Tasche, wagte der gelernte Schmied und Meister der Landtechnik den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in den eigenen vier Wänden eine Heizungs- und Sanitärfirma. " Der Gedanke ist früher schon mal da gewesen ", berichtet Günter Hartmann. Nach der Wende setzte er die Idee um.

Mit dem Wartburg samt Hänger brach der Lindauer inmitten des politischen Umbruchs in seine neue berufliche Zukunft auf. " Bis Juni 1992 haben wir noch nach DDRRecht abgerechnet ", blickt der 63-Jährige zurück. Auch gab es vor Ort noch längst keine so breite Produktauswahl wie heute. Um Material für Bäder zu holen, sind sie damals bis nach Vorsfelde, einem Stadtteil von Wolfsburg, gefahren. Außerdem musste Günter Hartmann zunächst ohne einen Telefonanschluss auskommen. Lachend fällt ihm da sein erstes Handy ein, ein mächtiges Gerät, mit dem er von oben auf dem Dach des Wohnhauses aus telefonierte.

Die ersten Firmenjahre liefen sehr gut. " Wir brauchten bloß arbeiten ", formuliert es Günter Hartmann, der parallel Schulungen für Gas- und Wasserinstallationen absolvierte. Das Pflegeheim in Bärenthoren bescherte ihm am Jahresende 1990 den ersten größeren Auftrag. " Damals habe ich den ersten Kollegen eingestellt ", erzählt der 63-Jährige. Acht Beschäftigte hatte Hartmann, als er 1995 den ehemaligen Bauernhof im Flecken 9 in Lindau als Firmengrund erwarb und ausbaute. Zwischenzeitlich wuchs der Stamm sogar bis auf zwölf Mitarbeiter an.

Wasserleitungen trennen und Wasserzähler einbauen – das waren die ersten Einsatzgebiete für die Lindauer Heizungs- und Sanitärfirma. Balkonentwässerungen und Heizungsinstallationen folgten. Neben dem Bäderbau sind es heute hauptsächlich Reparaturen, zu denen das Zwei-Mann-Team ausrückt. Aktuell beschäftigt Günter Hartmann noch einen Mitarbeiter. Dabei ist seine Frau Hiltrud nicht zu vergessen, die sich um das Büro kümmert.

Hauptauftraggeber über die vielen Jahre war seit 1992 die Zerbster Wohnungsbaugenossenschaft " Frohe Zukunft ". Aus den umliegenden Orten erhielt Günter Hartmann ebenso Aufträge wie aus Lindau selbst, wo seine Firma beispielsweise in der Kita oder auf dem Sportplatz Hand anlegte. " Ich möchte all meinen Kunden für die gute Zusammenarbeit danken ", betont der 63-Jährige.

Zum Jahresende wird er seinen Betrieb schließen und in den Ruhestand gehen. Am meisten freut sich Günter Hartmann darauf, dann nicht mehr Tag und Nacht abrufbereit sein zu müssen. " Das Handy war immer mit dabei ", schildert er mit Blick auf Havariefälle seine 24-stündige Einsatzbereitschaft. In Zukunft bleibt ihm genügend Freizeit, um mit seiner Frau gemütliche Fahrradtouren zu unternehmen.

Ganz aus dem Geschäft zieht sich die Familie Hartmann jedoch nicht zurück. Seit einem Jahr betreibt Sohn Mario eine Heizungs- und Sanitärfirma in Zerbst. Die Grundlagen erlernte er seit 1992 im väterlichen Betrieb, machte seinen Gesellenbrief und legte erfolgreich seine Meisterprüfung ab.