Oftmals landen Möbelstücke auf dem Sperrmüll, die dort nicht hingehören – gut erhaltene Schränke, kaum genutzte Tische, Sessel ohne erkennbare Gebrauchsspuren. Doch in Zerbst gibt es eine Adresse, in der aussortierte Möbel gern für sozial Schwache angenommen werden – die Kleider- und Möbelkammer der Awo im Altbuchsland.

Zerbst. Unser Leser Dieter Bartsch wollte dort ebenfalls seine Couch anbieten. "Es kam auch ein junger Mann vorbei, der das Stück begutachtet hat. Doch dann kam ein Anruf, dass eine Abholung nicht möglich ist, da das Transportfahrzeug nicht die richtige Bereifung habe und eine Abholung somit nicht möglich ist", erinnert sich Bartsch einige Wochen zurück. Mittlerweile hat er die Couch entsorgt. Die Alternative wäre gewesen, die Couch bis März zu behalten, und sie erst dann abholen zu lassen. "Das war einfach zu lang", so der Zerbster.

"Es ist in der Regel so, dass wir jeden Dienstag einen Lkw vom Awo-Kreisverband Wittenberg gestellt bekommen, mit dem wir dann die Möbelstücke abholen", erklärt Awo-Mitarbeiterin Petra Bulitz. Jedoch sei es meist im Januar und Februar nicht möglich, die Fahrten durchzuführen. Der Lkw steht der Zerbster Einrichtung dann schlichtweg nicht zur Verfügung, beziehungsweise die Witterung lässt einen Einsatz nicht zu.

"Allerdings freuen wir uns über jeden Anruf", betont Bulitz. Momentan ist in den Zimmern der Möbelkammer ein wenig Luft, so dass wieder Möbel gespendet werden können. "Wir werden wohl ab März wieder den Lkw hier haben. Die kommenden beiden Dienstage wird es jedoch nicht klappen", schränkt sie ein.

Allerdings betont sie auch, dass nicht jedes Möbelstück oder jeder Hausratsgegenstand angenommen wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass manch als "gut erhalten" bezeichnete Couch doch reif schon für den Müll war. "Daher gehört eine vorherige Besichtigung einfach dazu. Allerdings nehmen wir nicht nur Möbel an, sondern auch Waschmaschinen oder Kühlschränke", sagt Bulitz.

In der Möbelkammer können sich Hartz-IV-Empfänger dann mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr in Ruhe im Fundus und in der angrenzenden Kleiderkammer umsehen, für einen kleinen Obolus das Mobiliar kaufen. "Zuvor lassen wir uns jedoch den Hartz-IV-Bescheid zeigen, um sicher zu gehen, dass die Möbel an Menschen verkauft werden, die diese Hilfe wirklich brauchen."

Mitunter sind die Zerbster jedoch auch selbst aktiv, wenn es um den Transport des Mobiliars geht. "Es kommt auch des Öfteren vor, dass sie Möbelstücke mit dem eigenen Anhänger herbringen." Dabei bittet Petra Bulitz zuvor um einen kurzen Anruf, da die Eingangstür im Altbuchsland außerhalb der Öffnungszeiten verschlossen bleibt. "Von 8 bis 14 Uhr ist jedoch im Normalfall immer jemand hier anzutreffen."